Zürich Rätselhafter Rücktritt: Ackermann scheidet aus Zurich-Verwaltungsrat aus

Josef Ackermann, der frühere Deutsche-Bank-Chef, legt sein Amt als Verwaltungsratsvorsitzender der Zurich-Gruppe nieder. Foto: laif
Josef Ackermann, der frühere Deutsche-Bank-Chef, legt sein Amt als Verwaltungsratsvorsitzender der Zurich-Gruppe nieder. Foto: laif
Zürich / DPA/AFP 30.08.2013
Der Ex-Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann ist als Verwaltungsratspräsident des Schweizer Versicherungskonzerns Zurich zurückgetreten. Anlass ist der mutmaßliche Selbstmord eines Top-Managers.

Es war nur eine kurze Mitteilung, doch sie hat gestern in der Schweizer Banken- und Wirtschaftsmetropole Zürich und darüberhinaus in der gesamten Branche für Aufsehen gesorgt: Josef Ackermann, der ehemalige Chef der Deutschen Bank, ist nach dem mutmaßlichen Selbstmord eines Top-Managers als Verwaltungsratspräsident des Schweizer Versicherungskonzerns Zurich zurückgetreten. Zugleich gab er alle Funktionen als Mitglied des Gremiums ab, teilte das Unternehmen mit.

Zur Begründung verwies Ackermann auf mögliche Vorwürfe gegen ihn im Zusammenhang mit dem Tod von Zurich-Finanzvorstand Pierre Wauthier. Der 53-Jährige war am Montag tot in seiner Wohnung aufgefunden worden. Er habe sich mit größter Wahrscheinlichkeit selbst getötet, erklärte die Polizei. Das ergebe sich aus den bisherigen gerichtsmedizinischen Untersuchungen. Ein Drittverschulden könne ausgeschlossen werden. Wauthier besaß einen französischen und einen britischen Pass.

Ackermann erklärte gestern: "Ich habe Grund zur Annahme, dass die Familie meint, ich solle meinen Teil der Verantwortung hierfür tragen, ungeachtet dessen, wie unbegründet dies objektiv betrachtet auch sein mag." Angesichts dessen sehe er eine weitere erfolgreiche Führung des Zurich-Verwaltungsrates infrage gestellt. "Um jegliche Rufschädigung zu Lasten von Zurich zu vermeiden, habe ich beschlossen, von allen meinen Funktionen im Verwaltungsrat mit sofortiger Wirkung zurückzutreten."

An der Zürcher Börse verlor die Aktie des Versicherungskonzerns am Morgen mehr als 3 Prozent an Wert, erholte sich jedoch später leicht. Händler verwiesen zur Begründung auf Unwägbarkeiten nach dem Ackermann-Abgang. "Da macht sich Unruhe breit", sagte ein Analyst.

Die "Neue Zürcher Zeitung" stellte in ihrer Online-Ausgabe fest, der Abgang Ackermanns werfe "zum jetzigen Zeitpunkt mehr Fragen auf, als dass er Antworten gibt."

"Trägt Ackermann Mitschuld am Tod des Finanzchefs?" titelte gar die Schweizer Online-Zeitung "20 Minuten." Dort berichtet der angesehene Schweizer Wirtschaftsjournalist Lukas Hässig über Äußerungen aus dem Umfeld von Ackermann zu dem Fall. Demnach habe Wauthiers Witwe gegenüber Konzernvorstandschef Martin Senn über Ackermanns harten Führungsstil geklagt. Der Verwaltungsratschef "sei sehr fordernd gegenüber dem Top-Management gewesen" und habe damit ihren Mann in die Enge getrieben. Öffentlich hat sich die Frau allerdings bisher nicht dazu geäußert. Der Zurich-Konzern wollte das ebenfalls nicht kommentieren.

Ackermann war seit März 2012 Verwaltungsratspräsident bei der Zurich-Gruppe, angetreten hatte er das Amt nach seinem Ausscheiden bei der Deutschen Bank zwei Monate später. Wie bei angelsächsischen Unternehmen ist der Verwaltungsrat in der Schweiz einflussreicher als etwa ein deutscher Aufsichtsrat. Zwar lenkt der Vorstandsvorsitzende die täglichen Geschäfte, doch der Chef des Verwaltungsrats hat großen Einfluss auf die Strategie.

Der Zurich-Verwaltungsrat erklärte, die Entscheidung Ackermanns zu respektieren. Sie sei "mit größtem Bedauern angenommen" worden. Ackermanns bisheriger Stellvertreter, der Niederländer Tom de Swaan, hat die Funktion des amtierenden Verwaltungsratspräsidenten übernommen.

Der Zurich-Konzern ist das größte Versicherungsunternehmen der Schweiz und eines der fünf größten weltweit. Vor zwei Wochen hatte Zurich einen Gewinnrückgang gemeldet und dabei die Erwartungen von Analysten verfehlt. "Das wirtschaftliche Umfeld bleibt angesichts niedriger Zinssätze schwierig und setzt unsere Kapitalerträge unter Druck", hatte Vorstandschef Senn vor zwei Wochen erklärt.

Erst im Juli hatte der Tod eines Spitzenmanagers in der Schweiz Aufsehen erregt. Der Chef des Telekommunikationsunternehmens Swisscom, der deutsche Manager Carsten Schloter, war tot aufgefunden worden. Die Polizei ging ebenfalls von Sellbstmord aus.

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