Düsseldorf Rabattschlacht: Milder Winter und Dauernachlässe setzen Händler unter Druck

Gut neun Monate im Jahr sind Preise in Deutschland reduziert - da braucht es im Winterschlussverkauf schon besondere Nachlässe, um Kunden anzulocken.
Gut neun Monate im Jahr sind Preise in Deutschland reduziert - da braucht es im Winterschlussverkauf schon besondere Nachlässe, um Kunden anzulocken. © Foto: dpa
Düsseldorf / UTA KNAPP, DPA 27.01.2014
Dauerrabatt und der bislang eher milde Winter setzen den Handel beim am Montag beginnenden Schlussverkauf unter Druck. Neue "Reduzierungs-Höhepunkte" sollen rabattverwöhnte Kunden anlocken.

Rotstifte im Dauereinsatz: Mit gut neun Monaten Schnäppchenjagd gab es 2013 Rabatte nahezu in der Dauerschleife - und der Trend hält voraussichtlich 2014 an. "Die Zeiträume der Sales werden immer länger" stellt Forscher Bernd Lochschmidt von der Gesellschaft für Konsumforschung fest. Zusätzlich angeheizt wird die Entwicklung durch das in den vergangenen Wochen eher ungewöhnlich milde Wetter. Die Folge: Winterware von der dicken Daunenjacke bis zu gefütterten Stiefeln lag zuletzt wie Blei in den Regalen.

Angesichts übervoller Läger will der Handel auch in diesem Jahr den eigentlich seit rund zehn Jahren offiziell abgeschafften Ausverkauf wiederbeleben. Von heute an könnten die Kunden nun mit "ultimativen" Preisnachlässen von bis zu 70 Prozent und teilweise noch mehr rechnen, kündigte Axel Augustin vom Bundesverband Textileinzelhandel an. Auf die längst rabattverwöhnten Kunden warte nun der "abschließende Reduzierungs-Höhepunkt", hieß es.

Neben den Textileinzelhändlern hätten auch andere Branchen den Schlussverkauf für sich entdeckt, berichtete Stefan Hertel vom Handelsverband Deutschland. Etwa drei Viertel der Händler beteiligten sich mittlerweile an der nahezu flächendeckenden Aktion. Mit dabei seien Sportartikelhändler ebenso wie Baumärkte oder Elektronik-Anbieter.

Immer wieder hat das Wetter in den vergangenen Jahren den Händlern einen Strich durch die Rechnung gemacht: Auf einen eher warmen Winterstart 2012/2013 folgte kühles Wetter im Frühjahr und Sommer 2013 und auch der Winter 2013/2014 ist nur zögerlich in Gang gekommen. Erst blieben Wintersachen liegen, dann Sommersachen und jetzt wieder Wintersachen.

"Nur wenn das Wetter zur richtigen Absatzzeit passt, erzielen wir die für uns dringend notwendigen Umsatz-und Gewinnsteigerungen", stellte in dieser Woche auch der Präsident des Verbands des deutschen Sportfachhandels, Werner Haizmann, fest. Für die Sportartikel-Branche sei der Winter bislang ein Totalausfall, beklagte er.

Kurze Rabattpausen gab es im vergangenen Jahr nach den Recherchen von Lochschmidt eigentlich nur im März und dann noch einmal im September und Oktober: Seit November läuft nach den Beobachtungen des Konsumforschers die Rabattschlacht mit Winterware.

Reduzierungen bei Textilien von 70 bis 80 Prozent seien derzeit keine Seltenheit, 50 Prozent seien "Standard", berichtet Lochschmidt.

"Bollerige" Herrenhosen und Pullis in den Farben der abgelaufenen Saison müssten derzeit etwa ganz dringend an die Kunden gebracht werden, sagt Augustin. Die Händler hätten da "keine Wahl". "Mode hat ein Haltbarkeitsdatum", so der Experte. Allenfalls bei modischen Dauerbrennern wie weißen Hemden oder Blusen oder dunklen Hosen könnten die Händler eine Ausnahme machen.

Im internationalen Vergleich seien die Deutschen sehr preisbewusst. Doch den Händlern gelinge es seltener, die Kunden in die Läden zu locken: So sei die Zahl der Einkäufe bei Frauen von November 2012 bis November 2013 um 14 Prozent zurückgegangen, bei Männern um 11 Prozent. Wer kauft, zeigt sich jedoch ausgabefreudiger: Sie stieg die durchschnittliche Bon-Summe bei den Kundinnen um 10 Prozent, bei Männern sogar um 11 Prozent.

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