Beruf Die richtigen Entscheidungen im Job treffen

„Kreativität entsteht, wenn wir Routinen unterbrechen“: Konferenzen müssen nicht zwangsläufig immer nach dem gleichen Muster ablaufen.
„Kreativität entsteht, wenn wir Routinen unterbrechen“: Konferenzen müssen nicht zwangsläufig immer nach dem gleichen Muster ablaufen. © Foto: dpa
dpa 22.04.2017
Eine falsche Entscheidung kann im Job hohe Kosten verursachen. Eine wichtige Investition zahlt sich nicht aus, oder eine Beförderung zieht an einem vorbei. Doch wie entscheidet man klug? Lässt sich das Risiko für Fehlentscheidungen minimieren?

Im Meeting die Meinung sagen oder lieber schweigen? Das Projekt übernehmen oder besser ablehnen? Eine Innovation auf den Markt bringen, oder ist das Risiko zu groß? Der Arbeitsalltag verlangt einem immer wieder Entscheidungen ab. Manche sind nicht der Rede wert,  andere können weitreichende Konsequenzen haben: eine Million Euro in ein neues Produkt investieren oder nicht? Bei einer solchen Wahl besteht immer das Risiko einer Fehlentscheidung. Es lässt sich aber verringern.

 Eine Entscheidung ähnelt einer Pferdewette. Man wägt mögliche Szenarien gegeneinander ab, rechnet Wahrscheinlichkeiten aus und horcht vielleicht, was der Bauch sagt, wie der Berater Jochen Mai erklärt. Dann setzt man auf seinen Favoriten. Der Unterschied zwischen einer Pferdewette und einer schwierigen Entscheidung im Job: Bei der Wette weiß schnell, ob man gewonnen hat oder nicht. Im Berufsalltag kann das dauern.

 Emotionale Entscheidungen gehen so schnell, dass man sie kaum bemerkt. Sie basieren auf Erfahrungen, wie die Beraterin Gabriele Bringer vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen erklärt. „Solche Entscheidungen müssen nicht schlecht sein.“ Nichtsdestotrotz hören die meisten im Job bei Entscheidungen etwa über Investitionen eher auf ihren Verstand. Das Abwägen von Argumenten und das Berechnen von Wahrscheinlichkeiten führt zu einer rationalen und begründbaren Entscheidung. Diese brauchen mehr Zeit, weil man nicht auf vorhandenes Wissen zurückgreifen kann.

 Im Arbeitsalltag kommen einige Faktoren erschwerend hinzu, sagt der Karrierecoach Bernd Slaghuis. So müssen Beschäftigte Entscheidungen oft unter großem Zeitdruck treffen. Die möglichen Konsequenzen zu durchdenken oder Informationen zu sammeln, ist dann zeitlich oft nicht drin.

 Es kann auch sein, dass es in einer Gruppe zu einer Fehlentscheidung kommt, erklärt Bringer. Dann beeinflussen sich alle gegenseitig, und es werden Vorgänge schöngeredet. Manchmal steckt aber auch Betriebsblindheit hinter einer Fehlentscheidung. „Man behält den Blick, den man schon immer hatte“, erklärt sie. Slaghuis empfiehlt daher einen Perspektivwechsel: So werden viele Entscheidungen in Meetings in immer gleichen Konferenzraum am U-förmigen Tisch getroffen.

Gefühl und Verstand

Um solche Routinen bewusst zu durchbrechen, kann es bereits helfen, andere Plätze einzunehmen, mal aufzustehen oder die Besprechung an einen unüblichen Ort zu verlegen. „Kreativität entsteht, wenn wir Routinen unterbrechen.“  Dieser Perspektivwechsel funktioniere auch bei einem selbst: Wer immer nur rationale Entscheidungen trifft, sollte lernen, auch auf seinen Bauch zu hören. Denn: „Eine gute Entscheidung ist immer eine Kombination aus Gefühl und Verstand“, sagt Slaghuis. Er rät Kopf-Menschen daher: „Mal bewusst auf den eigenen Körper achten: Was fühle ich gerade, was zeigt mir meine Körperhaltung, und was bedeutet auch das für diese Entscheidung?“Als alleinige Grundlage für eine Entscheidung kann und sollte das Bauchgefühl – gerade wenn es im Job darum geht, mit einer Innovation Neuland zu betreten – nicht dienen, wie Mai sagt. Helfen können Entscheidungstechniken wie zum Beispiel Pro- und Kontra-Listen.

Hilfreich kann auch ein K.o.-System sein: Dabei treten, wie bei einem Fußballturnier in der K.o.-Runde, die Optionen gegeneinander an – die beste bleibt übrig. Oder man erstellt die sogenannte Benjamin-Franklin-Liste: Dabei notiert man nur die Pro-Argumente für die verschiedenen Alternativen. Dann werden Schulnoten für jedes Argument und die Durchschnittsnote jeder Alternative errechnet.

 Als zweckmäßig erweist sich bisweilen die Best-Case-Worst-Case-Analyse: Dabei berechnet man den angenommenen besten und schlechtesten Ausgang einer Entscheidung, wie Mai erläutert. Ein Beispiel: Lohnt sich das Risiko, möglicherweise 100 000 Euro zu verlieren bei der Möglichkeit, in zwei Jahren eine Million Euro gewonnen zu haben? „Viele Entscheidungen werden in Zahlen übersetzt, weil es ein objektivierbarer Maßstab ist“, erklärt Mai. Aber: „Man kann alles schönrechnen.“

 Bringer rät, das Ganze mit einem Vertrauten durchzusprechen. Das kann zum Beispiel der Partner oder ein Coach sein. Nicht, um einen Ratschlag zu bekommen. Sondern um möglicherweise logische Fehler aufzudecken und um das Problem und die Entscheidung für sich zu formulieren. „So denkt man nochmal intensiv darüber nach, welche Entscheidung man treffen will.“