Psychische Erkrankungen nehmen weiter zu, das ließ 2011 auch die Zahl der Krankmeldungen steigen. Gefragt sind nach Ansicht von Experten auch die Unternehmen, denn es geht um Milliarden. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) schätzt allein den Produktionsausfall der Firmen auf 46 Mrd. EUR im Jahr 2011, das ist mehr als in den Vorjahren. 80 Mrd. EUR an Bruttowertschöpfung sind demnach verloren gegangen, das entspricht 3,1 Prozent des Bruttoinlandsproduktes, also der gesamten Wirtschaftsleistung eines Jahres.

Neben Rückenbeschwerden und Infektionen, die seit längerem zu den Hauptursachen für Fehltage gehören, kamen in den vergangenen Jahren vor allem psychische Erkrankungen hinzu. Fast jeder Zweite klagt über zunehmenden Stress, fast jeder Fünfte fühlt sich überfordert. Auf psychische Erkrankungen gingen 2011 allein 59 Mio. der insgesamt 460 Mio. Krankheitstage zurück. Auch die Zahl der Frühverrentungen wegen Burnout nimmt zu. Im Jahr 2011 hat sich jeder Arbeitnehmer in Deutschland im Schnitt 12,6 Tage krankgemeldet - das sind zusammengerechnet 1,3 Millionen Jahre.

Vorübergehende oder völlige Arbeitsunfähigkeit kostet die Unternehmen, Kranken-, Unfall- und Rentenversicherungen jährlich Milliarden von Euro. Das müsste nicht in dieser Höhe sein, sagen Gesundheitsexperten. Mit betrieblicher Gesundheitsvorsorge etwa ließe sich nach Ansicht von Wolfgang Bödeker vom Bundesverband der Betriebskrankenkassen ein Viertel der Krankenkosten und Fehlzeiten vermeiden. Der Einsatz für die Prävention betrage meist nur einen Bruchteil der später gesparten Kosten. Beispielsweise im Fahrzeugbau oder der Abfallbeseitigung sei die Vorsorge schon seit Jahren in vielen Unternehmen üblich.

Die von der BAuA geschätzten Kosten von 46 Mrd. EUR fallen laut Bödeker allerdings nicht tatsächlich in dieser Größenordnung an. Kollegen könnten Teile der Arbeit übernehmen, außerdem seien die Betriebe nicht immer voll ausgelastet. Häufig könne die Arbeit auch noch zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden.

Aber auch der Einzelne kann gegen den Stress ankämpfen. Wichtig ist nach Ansicht der BAuA-Experten beispielsweise, zum Start in die Woche nicht gleich loszuhetzen. Außerdem sollte man zwischendurch mal eine Pause machen, wichtige Arbeit nicht aufschieben, gelegentlich ein Schwätzchen mit Kollegen halten oder nach der Arbeit für Ausgleich wie Sport sorgen. Und ja nicht in die dienstlichen E-Mails schauen!

Langfristig soll nicht mehr als 40 Stunden in der Woche gearbeitet werden, sagen Experten. Auch sollte man nicht krank zur Arbeit gehen. Folgen könnten eine nachlassende Leistungsfähigkeit und eine abnehmende Produktivität sein. "Präsentismus ist der unsichtbare Teil des Eisbergs, der irgendwann in Form von Langzeit-Arbeitsunfähigkeiten und Herz-Kreislauf-Erkrankungen zutage tritt", warnt Claudia Oldenburg von der BAuA.