Kranke Seele: Immer mehr Menschen werden wegen psychischer Probleme krankgeschrieben. Das ist das Ergebnis des gestern in Berlin veröffentlichten DAK-Psychoreports, für den das Berliner IGES Institut die Daten zur Arbeitsunfähigkeit von rund 2,6 Mio. DAK-Versicherten analysiert hat.

Hier die Ergebnisse:

Wie viele Deutsche sind psychisch krank? Im vergangenen Jahr war hierzulande jeder 20. Arbeitnehmer wegen eines psychischen Leidens krankgeschrieben, also hochgerechnet 1,9 Mio. Berufstätige. Seit 1997 hat sich die Zahl der Fehltage verdreifacht. Die meisten Arbeitnehmer fehlten wegen Depressionen.

Nehmen Depressionen und Co. tatsächlich zu? Nach Einschätzung von Experten werden seelische Leiden lediglich besser erkannt.

Wer ist besonders betroffen? Ältere Menschen und Frauen. Auf 100 weibliche DAK-Versicherte über 60 Jahre entfielen zuletzt 435 Ausfalltage - bei Männern waren es lediglich 293. Bei der jüngsten Gruppe der 15- bis 19-Jährigen waren es 115 Tage bei Frauen und 57 bei Männern. Der Grund: Männer gestehen sich weniger ein, psychische Probleme zu haben.

Welchen Einfluss hat der Wohnort? "Der Stresspegel ist in Großstädten höher", sagt Hans-Peter Unger von der Asklepios Klinik Hamburg-Harburg. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt die Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS) vom Robert Koch-Institut: In kleinstädtischen Orten waren die wenigsten betroffen.

In welchen Branchen sind psychische Erkrankungen besonders häufig? Es klingt erstmal seltsam: Die meisten Seelenleiden werden im Gesundheitswesen diagnostiziert. Die wenigsten lassen sich deswegen im Baugewerbe krankschreiben. "Das hat mit der Art der Belastung zu tun", erklärt Psychologe Michael Ziegelmayer. Sie sei auf dem Bau in der Regel körperlich - in der Gesundheitsbranche psychisch.

Welche Gründe haben die Seelenleiden? Arbeitsbelastung, private Gründe oder eine körperliche Krankheit sind Experte Unger zufolge die Hauptursachen.

Was ist mit dem vielzitierten Burnout? Seit 2012 hat sich die Zahl der Burnout-Fehltage fast halbiert, während andere psychische Krankheiten öfter festgestellt wurden. Sie sind laut Unger gewissermaßen salonfähig geworden: "Für viele gehört der Satz 'Ich bin gestresst' mittlerweile zum guten Ton."

Wie groß sind die psychischen Probleme der Deutschen tatsächlich? "Ich würde nicht sagen, dass die Zahl der Diagnosen besorgniserregend ist", sagt Ziegelmayer. "Daraus den Schluss zu ziehen, dass wir eine psychisch kranke Nation sind - das wäre völlig verfehlt."