Frankfurt PORTRÄT: Lernfähige Reizfigur

Frankfurt / DPA 30.08.2013
Als Deutsche-Bank-Chef war er lange Zeit der Buhmann der Nation, in der Finanzkrise räumte er Fehler ein und wurde zum Strippenzieher.

Er reizt die Massen wie kaum ein anderer Manager. Josef Ackermann, bis Ende Mai 2012 Chef der Deutschen Bank, galt vielen Deutschen lange als Buhmann der Nation. Einer, der zu Beginn seiner Amtszeit als unsensibler Investmentbanker auffällt und 2004 im Gerichtssaal beim Mannesmann-Prozess grinsend zwei Finger zum Siegeszeichen emporreckt. Einer, der 2005 tausende Stellen streicht und zugleich ein 25-Prozent-Renditeziel verkündet.

In der Finanzkrise präsentiert sich Ackermann geläutert. Er räumt Fehler der Banken ein und bügelt kritische Fragen von Kleinaktionären auf Hauptversammlungen nicht ab. Vom Auftritt eines Streubombenopfers im Mai 2011 zeigt er sich so betroffen, dass die Bank kurz darauf sämtliche Geschäftsverbindungen zu Mischkonzernen kappt, die auch solche international geächteten Waffen herstellen.

"Kein Geschäft ist es wert, den guten Ruf der Deutschen Bank aufs Spiel zu setzen" - wie ein Mantra trägt Ackermann dieses Credo in seinen letzten Jahren an der Deutschen-Bank-Spitze vor sich her. Die Finanzkrise habe Ackermann "nachdenklicher, menschlicher" gemacht, sagt einer, der ihn seit Jahren aus nächster Nähe erlebt.

Dazu passt der Titel eines Buches über Ackermanns Karriere, das im September erscheinen soll: "Späte Reue". Geschrieben hat es der ehemalige Deutsche-Bank-Kommunikationschef Stefan Baron. "Besenrein" hat Ackermann die Bank nicht an seine Nachfolger übergeben. Der Konzern schlägt sich mit Altlasten herum, etwa Prüfungen zu Zinsmanipulationen oder Ermittlungen zu Umsatzsteuerbetrug beim Handel mit Luftverschmutzungsrechten.

Geboren am 7. Februar 1948 in Mels im Kanton St. Gallen, ließ sich Josef Ackermann von seinem Vater, einem Arzt und Börsenfan, begeistern: Er studierte Wirtschaftswissenschaft, arbeitete ab 1977 für die Schweizerische Kreditanstalt (SKA), die heutige Credit Suisse. 1993 wurde er SKA-Präsident. 1996 kam Ackermann zur Deutschen Bank, wurde dort schnell zum obersten Investmentbanker und übernahm im Mai 2002 als erster Ausländer den Chefposten.