Ausbildung Pläne für den Lebensraum Stadt

Wie sieht die Stadt von morgen aus? Mit dieser Frage beschäftigen sich Studenten der Urbanistik – 
und nehmen dabei verschiedene Perspektiven ein.
Wie sieht die Stadt von morgen aus? Mit dieser Frage beschäftigen sich Studenten der Urbanistik – und nehmen dabei verschiedene Perspektiven ein. © Foto: dpa
Moloch / swp 23.12.2017

Metropole. Straßendschungel. Betonwüste. Schmelztiegel. Für die großen Städte der Welt gibt es viele Namen, positive wie negative. Das Thema Stadt bewegt die Gemüter und ist immer öfter auch Inhalt von Studiengängen. Einer davon: der Master Sustainable Urbanism an der Technischen Universität München. Sein Ziel: Architektur, Gesellschaft, Ökonomie und Raumplanung zu erforschen und neu zu denken.

 „Unter dem Begriff Urbanistik werden Studiengänge angeboten, die sich mit der Erforschung der Stadt auseinandersetzen“, erklärt Prof. Mark Michaeli, Studiendekan der Fakultät für Architektur an der TU. „Aber nicht nur im planerischen oder rechtlichen Sinne, sondern immer von einem architektonisch-räumlichen Verständnis aus.“

 Statt den Lebensraum nur zu analysieren, sei die Aufgabe des Urbanisten vielmehr, sich aktiv in die Raumgestaltung einzubringen und eigene Entwürfe zu entwickeln: „Am Ende muss ich derjenige sein, der einen Vorschlag macht, wenn es um die Frage geht, wie es mit unserer Stadt weitergehen soll“, so Michaeli.

 Die große Frage dabei ist immer: Wie sieht die Stadt von morgen aus? „In den letzten Jahren haben sich einige inhaltliche Fragestellungen massiv verändert“, sagt Michaeli. „Heute sieht man Stadt nicht mehr nur als räumliche, funktionelle Institution, sondern die Leute müssen sich auch wohlfühlen.“ Zudem habe eine starke Spezialisierung dazu geführt, dass nur noch wenige Menschen den ganzen Komplex „Stadt“ überblicken. Hier kommen die zukünftigen Urbanisten ins Spiel: „Es braucht diese Leute, die einen weiten, interdisziplinären Blick haben“, sagt Michaeli. „Sie wissen, welche Sprache in welchem Fachgebiet gesprochen wird und welche Zuständigkeiten zu beachten sind.“

 Zu diesen Leuten gehört Hisar Ersöz, der an der Technischen Universität Berlin den Masterstudiengang Urban Design belegt. „Die Herausforderung besteht einerseits darin, die Unsicherheiten aushalten zu können, mit denen man im Umgang mit dem extrem komplexen Thema Stadt konfrontiert ist“, erzählt er. „Man hat häufig das Gefühl, es gäbe noch mehr zu berücksichtigen, was gar nicht berücksichtigt werden kann.“

 Die andere Aufgabe sei, eine gemeinsame Sprache zu finden und nicht aneinander vorbei zu reden: „Da stoßen die Ästheten auf die Theoretiker. Es ist ein transdisziplinäres Studium, man weiß von allem ein bisschen, aber von nichts alles.“ Ob Texte, Zeichnungen, Modelle oder Präsentation: Je nach Fragestellung erarbeiten die studentischen Teams unterschiedliche Lösungen für stadtpolitische Fragen, darunter etwa die Wohnungsnot in Berlin. Auch Planspiele stehen auf dem Stundenplan, bei denen sie die verschiedenen Sichtweisen stadtpolitischer Akteure einnehmen. „Man sollte sich für gesellschaftspolitische Fragen und Themen interessieren und Lust daran haben, praxisnah zu arbeiten, aus dem akademischen Elfenbeinturm heraus zu kommen“, erzählt Ersöz. Das Fach Urbanistik kann also durchaus ein Auffangbecken sein für Studenten, denen in den verwandten Einzeldisziplinen Architektur oder Raumplanung das „Etwas Mehr“ fehlt.

 An der Bauhaus-Universität Weimar werden jährlich 40 Studierende im Bachelorstudiengang Urbanistik aufgenommen. „Die Bewerberzahlen sind weit höher als die Anzahl unserer Studienplätze“, sagt die Studienberaterin Caroline Kauert. Bei der Auswahl spielt die Abiturnote kaum eine Rolle, eher die Liebe zum Thema. „Es muss grundsätzliches Interesse für die eigene Umwelt, die Menschen, aber auch Architektur und Städtebau vorhanden sein“, so Kauert.

 Überprüft wird dieses Interesse in Weimar mit einem Test: In einem themenbezogenen Projekt absolvieren die Bewerber eine Aufgabe innerhalb der Stadt und lernen dabei die Herausforderungen der Urbanistik kennen. Wer die Zulassung erhält, darf sich auf ein Projektstudium vorbereiten: Neben Vorlesungen und Seminaren steht viel praktische Arbeit auf dem Plan – aus Gebieten wie Stadtplanung und Städtebau, aber auch aus der Denkmalpflege oder der Soziologie.

 Ein Auslandsaufenthalt ist obligatorischer Bestandteil des Studiengangs. „Der ist ganz wichtig, um die Planungskulturen anderer Länder kennenzulernen, um die eigene Planungskultur besser reflektieren zu können“, erklärt Kauert. Nach acht Semestern können die frisch gebackenen Urbanisten dann in unterschiedlichen Berufsfeldern tätig werden: „Man kann in der öffentlichen Verwaltung arbeiten, in privaten Planungsbüros, in der Politikberatung, aber auch in der Wissenschaft und in der Entwicklungshilfe.“

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