Ikea Nur der Katalog bleibt unangetastet

Mitten in Hamburg liegt die Ikea-Filiale. Künftige Häuser in den Zentren sollen im Vergleich kleiner ausfallen. 
Mitten in Hamburg liegt die Ikea-Filiale. Künftige Häuser in den Zentren sollen im Vergleich kleiner ausfallen.  © Foto: Daniel Reinhardt/dpa
Frankfurt / Rolf Obertreis 21.08.2018

Auf Marktplätzen im Internet wie etwa bei Ebay sind „Ivar“ oder „Billy“ die Renner. Wer hier die beiden klassischen Regale der schwedischen Möbelhaus-Kette Ikea anbietet, kann sich vor  Interessenten kaum retten. „Solche Marktplätze sind im Kommen“, sagt Sabine Nold, Sprecherin von Ikea-Deutschland. Ikea will auf diesem Marktplatz vom 1. September an mitmischen.

Unter dem Stichwort „Zweite Chance“ können gut erhaltende oder neuwertige Produkte zunächst in fünf Häusern gegen Gutschriften – je nach Zustand für bis zur Hälfe des Neupreises – in Zahlung gegeben werden. Ikea bietet sie dann in seiner „Fundgrube“ zum Kauf an. Zugleich schafft Ikea die Rücknahme gebrauchter Ware, unabhängig vom Zustand,  ein Jahr nach dem Kauf, ab. Zurückgenommen wird nur noch neue Ware.

 Kleinmöbel sind für die „Zweite Chance“ kein Problem. Bei größeren Stücken wird es schwieriger. Sie müssen aufgebaut vorgeführt werden. Ein Kleiderschrank oder ein Bett muss im Zweifelsfall zuhause ab- und bei Ikea wieder aufgebaut werden. Im Internet hat der Kunde zuvor einen unverbindlichen Preisvorschlag eingeholt, letztlich fällt die Entscheidung über die Höhe der Gutschrift in der Ikea-Filiale.

In der Schweiz gibt es die „Zweite Chance“ seit einem Jahr – mit Erfolg, sagt Nold. Für zwei Beistelltische Stockholm (Neupreis 199 Franken) bietet Ikea unverbindlich 102 Franken, beim Bettgestell Tarva sind es 28 Franken (Neupreis 59,95 Franken).

  Seit Januar ist Dennis Balslev neuer Deutschland-Chef. Er reißt jetzt das Ruder herum, weil es online nicht wie erhofft läuft und selbst Amazon im Möbel-Geschäft kräftig mitmischt, ganz abgesehen von Internet-Möbelhändlern wie Home24. Den Umsatzanteil über das Internet will Balslev in wenigen Jahren auf bis zu 30 Prozent steigern.

Der Plan für 70 Ikea-Häuser herkömmlichen Stils am Rande der Städte ist erst einmal ad acta gelegt. Eigentlich sollten 2018 drei neue Märkte entstehen; jetzt wird nur eines in Karlsruhe gebaut. In Memmingen und Nürnberg wird geprüft wie es weitergehen soll. Im Ruhrgebiet sind zwei geplante Standorte gestrichen. Die Zeit großer Möbelhäuser auf der grünen Wiese am Stadtrand ist vorbei, sagt Balslev.

 Es geht um neue Formate, betont Ikea-Sprecherin Nold. Die demnächst 54 Einrichtungshäuser bleiben zwar im Fokus. „Unsere Kunden möchten sich dort inspirieren und beraten lassen, Produkte ausprobieren und anfassen.“ Es gehe um die enge Verknüpfung des stationären mit dem Online-Handel.

Das geht dann so: Bestellen im Internet, die schnelle Lieferung an den Kunden – in Großstädten innerhalb von drei Stunden, spätestens am nächsten Tag. Oder der Kunde soll es in Ikea-Märkten, kleineren Innenstadt-Häusern oder in Verteilzentren abholen können. Solche Abholstationen gibt es bislang aber nur  in Leipzig und Ravensburg. Ikea sucht derzeit weitere Standorte.

 Im Blick bleiben auch Ableger in der City. Einen ersten gibt es in Hamburg, in einem ehemaligen Karstadt-Gebäude. Künftige Häuser in den Zentren sollen im Vergleich kleiner ausfallen und auch ohne Auto gut erreichbar sein. Bei 45 bis 60 Minuten Anfahrtszeit liegt die Spanne derzeit. 15 bis 20 Minuten peilt Balslev an.

 Bei Ikea denkt man zusätzlich auch an Möglichkeiten mit anderen Nutzern, „etwa in den Bereichen Wohnen, Arbeiten, Freizeit und Kultur.“ Entscheidend ist für Balslev auch das Umfeld. „In Berlin leben viele Singles auf relativ kleiner Fläche. Hier ist also der Lieferservice besonders wichtig“. Und günstige Produkte. München sei das Gegenteil. „Hier haben die Menschen in der Regel mehr Platz und Geld und wünschen sich vor allem Unterstützung beim Aufbau der Möbel.“ Auch teurere Designermöbel könnten hier angeboten werden.

 Der Katalog aber bleibt. „Unsere Kunden lieben den Ikea-Katalog“, sagt Balslev. In Schweden ist der Versuch gescheitert, ihn abzuschaffen. In den nächsten Wochen wird er wieder in den Briefkästen von Millionen Deutschen stecken.

Weit unter zehn Prozent

Die neue Offerte zum Rückkauf von Möbeln ist Teil einer Nachhaltigkeitsstrategie. Ikea überarbeitet derzeit seine bisherige Geschäftsstrategie. Zwar zählte der schwedisch Konzern in seinen 53 Häusern in Deutschland (davon allein vier in Berlin) im vergangenen Jahr fast 98 Millionen Besucher und 53 Millionen Kunden. Aber die Zahl stagniert. Der Umsatz kletterte zuletzt zwar weiter um 2,4 Prozent auf knapp 4,9 Milliarden Euro, was allerdings fast ausschließlich durch drei neue Filialen zustande kam. Der Online-Verkauf nimmt  nur langsam Fahrt auf. Er steigerte sich zwar zuletzt um 30 Prozent, liegt aber immer noch bei lediglich 6,3 Prozent. otr

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