Währung Nur Bares ist Wahres

 BEACHTEN: NPG-LIZENZ
 Durch Marian Weyo

Lizenzfreie Stockfotonummer: 510844936
Close-up Rolled Euro Banknotes.
Geld, Eiro, Scheine, Bündel
Download am 15.05.2018 für WIRT
Foto: ©Marian Weyo/Shutterstock.com
BEACHTEN: NPG-LIZENZ Durch Marian Weyo Lizenzfreie Stockfotonummer: 510844936 Close-up Rolled Euro Banknotes. Geld, Eiro, Scheine, Bündel Download am 15.05.2018 für WIRT Foto: ©Marian Weyo/Shutterstock.com © Foto: ©Marian Weyo/Shutterstock.com
Frankfurt / Rolf Obertreis 16.05.2018

Samstagsmarkt an einem Frühlingstag. Gezahlt wird an den meisten Ständen bar. Giro- und Kreditkarten werden kaum gezückt. „Wir haben uns trotzdem darauf eingestellt“, sagt der freundliche Herr an einem Käsestand. Prompt fragt eine Kundin: „Kann ich auch mit Karte bezahlen?“ Der Verkäufer nickt und zückt sein Smartphone mit einem kleinen aufsteckten Kartenlesegerät. Er nimmt die Girokarte, gibt den Rechnungsbetrag über eine App ein. Schon haben 12 € den Besitzer gewechselt.

Es ist die Ausnahme. Bargeld ist nicht nur auf Wochenmärkten weiter Trumpf. Dabei soll es nach dem Willen der Deutschen bleiben. Der Würzburger Volkswirtschafts-Professor Peter Bofinger löste vergangenes Jahr einen Sturm der Entrüstung aus, als er Bargeld als „Anachronismus“, also aus der Zeit gefallen, bezeichnete und seine Abschaffung propagierte, weil so Schwarzarbeit, Drogengeschäfte, Steuerhinterziehung und Geldwäsche wirksam bekämpft werden könne.

Verbraucher halten dagegen:  Bargeld abschaffen gehe nicht, Bürger würden noch gläserner, wenn sie nur mit Karte zahlen könnten, dem Zugriff auf das Sparvermögen werde Tür und Tor geöffnet, Freiheit und Selbstbestimmung würden abgeschafft. Damit ließen sich auch leichter Negativzinsen durchsetzen. Die Idee sei „total krank“. Nur wenige fanden sie gut, weil etwa das Risiko von Überfällen sinke.

 Vor allem die skandinavischen Länder gelten als Zentren des Anti-Bargeld-Trends. Tatsächlich werden etwa in Schweden 80 Prozent aller Zahlungen per Karte oder elektronisch getätigt. Laut Umfragen benutzte 2017 nur noch jeder Vierte  Bargeld, 2013 waren es noch 60 Prozent. Manche Parkuhren akzeptieren keine Münzen mehr, angeblich setzen auch Obdachlose bei Spenden auf eine App. Andererseits wollen sieben von zehn Schweden Bargeld als Option behalten.

 Zu einem durchaus erstaunlichen Ergebnis kam jetzt der „World Cash Report“. Danach steigt der Anteil von Barzahlungen in knapp 50 Ländern mit einem Anteil von 75 Prozent an der Weltbevölkerung. Gemessen an der Wirtschaftsleistung dieser Länder ist der Bargeldumlauf  auf fast 10 Prozent geklettert.

In Europa werden an den Verkaufsstellen zu 79 Prozent mit Scheinen und Münzen bezahlt. Nur in Korea und Schweden ist demnach die Bedeutung von Bargeld deutlich geschrumpft. Die Münchner Banknoten-Druckerei Giesecke&Devrient, eine der größten weltweit, setzte im vergangenen Jahr 10 Prozent mehr um. Die Zahl der Geldscheine nehme jedes Jahr um 3 bis 5 Prozent zu, heißt es dort. Selbst der Fahrdienstleister Uber akzeptiert in einigen Ländern Bares.

Bargeld spielt für sie beim Bezahlen weiter die mit Abstand wichtigste Rolle, auch wenn der Anteil 2017 erstmals knapp unter die Schwelle von 50 Prozent gesunken ist. Gemessen am Wert der Einkäufe und Dienstleistungen ist die Bedeutung mit einem Anteil von drei Viertel immer noch sehr hoch. Viele Geschäfte und Restaurants akzeptieren weiter nur Bargeld.

In Berlin und Frankfurt heißt es in vielen Cafés: „Cash only“. Girokarten haben laut Notenbank einen Anteil an den Zahlungen von 19 Prozent nach 15 Prozent vor drei Jahren. Kreditkarten kommen auf nicht einmal 5 Prozent. Apps auf dem Smartphone spielen beim Bezahlen hierzulande faktisch noch keine Rolle.

An diesen Relationen wird sich auf absehbare Zeit nur langsam etwas ändern. Fast 90 Prozent der Bundesbürger wollen auch in Zukunft bar bezahlen können. Die Abschaffung von Münzen und Banknoten lehnen sie ab. Auch die Bundesbank will daran nichts ändern. Die Bürger sollen weiter frei entscheiden, wie sie bezahlen wollen. Münzen und Scheine werden nicht umsonst als geprägte und gedruckte Freiheit bezeichnet.

„Fürchterlich ineffizient“

 Mit ihrer Einschätzung sieht die Bundesbank auch die Deutsche Bank auf ihrer Seite, auch wenn Ex-Vorstandschef John Cryan Bargeld vor wenigen Monaten als „fürchterlich teuer und ineffizient“ bezeichnet hatte und meinte, Münzen und Scheine seien in spätestens zehn Jahren verschwunden.

Die Volkswirte der Deutschen Bank betrachten Bargeld als Bürgerrecht. Sie bezweifeln, dass Bargeld eine große Bedeutung für Kriminalität, Schattenwirtschaft und Terrorfinanzierung habe. Bargeld sei zugleich ein Schutz gegen Bankpleiten, funktioniere auch im Notfall. Tenor auch der Deutsche Bank-Ökonomen: Der Verbraucher soll entscheiden, ob und wie er Bargeld nutzt.

Bitcoin und andere Kryptowährungen sind im Übrigen nach Ansicht von Bundesbank-Präsident Weidmann keine „ernsthafte“ Konkurrenten für Münzen und Scheine. Überschaubar ist hierzulande bislang ohnehin die Zahl der Geschäfte und Restaurants, die Bitcoins akzeptieren. Der freundliche Herr am Käsestand auf dem Wochenmarkt sowieso nicht.

150 Milliarden im Umlauf

„Der technische Fortschritt macht bargeldloses Bezahlen immer bequemer und effizienter“, sagt Bundesbank-Präsident Jens Weidmann. „Und doch hat Bargeld weiterhin seine Berechtigung“. Die Bundesbank schätzt, dass in Deutschland rund 150 Mrd. € in bar gehalten werden – pro Einwohner vom Säugling bis zum Greis sind das etwa 1800 €. In seinem Portemonnaie hat jeder Bundesbürger im Schnitt 107 €. otr

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