Pro & Contra Neue iPhones: Überteuertes Statussymbol oder innovative Technik?

Apples neue iPhones: Schön groß und ganz schön teuer. Hier das iPhone XS (links) und XS Max.
Apples neue iPhones: Schön groß und ganz schön teuer. Hier das iPhone XS (links) und XS Max. © Foto: Marcio Jose Sanchez
Cupertino/Ulm / Moritz Clauß und Steffen Wolff 13.09.2018
Apple hat am Mittwoch seine neuen iPhones vorgestellt – und die sind so teuer wie nie zuvor. Trotzdem kaufen? Ein Pro & Contra von Moritz Clauß und Steffen Wolff.

Moritz Clauß: Hohe Preise nicht gerechtfertigt

Das neue iPhone XR soll in der günstigsten Ausfertigung stolze 849 Euro kosten. Die teuerste Variante des iPhone XS Max liegt bei 1649 Euro.

Das ist selbst für ein Smartphone der Oberklasse extrem. Apple übertrifft sich damit selbst: Die teureren iPhones kosten mehr als mancher iMac oder ein MacBook. Für 1650 Euro im Jahr könnte man auch einen neuen Kleinwagen leasen.

Für das gleiche Geld kann man sich außerdem drei bis vier hochklassige Android-Smartphones kaufen. Schnelle Prozessoren, bildschirmfüllende Displays, sehr gute Kameras mit mehreren Kameralinsen – die Features, mit denen Apple seine Handys bewirbt, sind kein Alleinstellungsmerkmal der iPhones. Auch eine Gesichtserkennung bieten viele andere Hersteller mittlerweile an. Dass Apple innovativer als die Konkurrenz sei, ist ein Mythos, der sich vielerorts immer noch hält. Tatsächlich kopiert die Firma aus Cupertino fleißig Ideen von der Konkurrenz – wie auch umgekehrt.

Hinzu kommt, dass auch die Android-Smartphones in der Einsteiger- und Mittelklasse rasend schnell aufholen. Während viele der günstigen Geräte ihren Anwendern vor einigen Jahren noch ein frustrierendes Nutzererlebnis bescherten, sind sie mittlerweile eine ernstzunehmende Alternative zu teurerer Hardware. Vor allem chinesische Unternehmen bringen regelmäßig erstaunlich gute Smartphones zu Kampfpreisen auf den Markt. Für die meisten Nutzer lassen diese Geräte keine Wünsche offen.

Allein mit den neuen Features sind die hohen Preise der iPhones also längst nicht mehr zu rechtfertigen. Apple kann das egal sein, denn ein Feature hat das Unternehmen der Konkurrenz voraus: Auf der Rückseite jedes iPhones ist ein angebissener Apfel abgebildet. Dafür greifen die Fans gerne tief in die Tasche. Tief und immer tiefer.

Steffen Wolff: Alles richtig gemacht

Man könnte es als das Apple-Ritual bezeichnen: In der Tradition der vergangenen Jahre hat der Technik-Konzern am Mittwochabend die neuen Modelle seines Erfolg-Smartphones iPhone vorgestellt. Gleich in drei unterschiedlichen Varianten. Wieder sind die Geräte innovativer, schneller und vor allem teurer als das Vorgängermodell. Und wieder ätzen die Kritiker, dass Tim Cook und Co. diesmal aber wirklich den Bogen überspannt hätten. Denn wer bitte kaufe schon ein Handy, das in der teuersten Ausführung rund 1650 Euro kostet?

Es gibt genügend davon. Ziemlich genau vor einem Jahr, als das Jubiläums-iPhone X auf den Markt kam und die Preis-Schallmauer von 1000 Euro locker durchbrach, waren sich die Analysten sicher: viel zu teuer, kein Markt vorhanden, ein Verlustgeschäft. Spätestens seit August, als Apple an der Börse erstmals den Wert von einer Billion US-Dollar erreichte, wissen wir: Die Kalifornier haben alles richtig gemacht, die Sterndeuter lagen falsch.

Der Konzern aus Cupertino hat es perfektioniert, bei seinen Kunden den Drang des „haben wollen“ zu wecken. Das liegt zum Teil daran, dass die Geräte schon längst zum Statussymbol geworden sind. Aber auch, weil iPhone, Apple-Watch, iPad und Macbook hoch-innovative Produkte sind. Dazu kommt, dass die Hardware perfekt mit der Software funktioniert. Das schafft die Konkurrenz so nicht. Und dann das in sich geschlossene Ökosystem, in dem alle Gerätetypen nahtlos ineinandergreifen. Auch der Schutz der Daten hat einen hohen Stellenwert.

Das alles hat seinen Preis. Und wer immer das Neueste vom Neuen sein Eigen nennen möchte, muss eben dafür bezahlen. Denn eines sollte auch dem größten Fanboy klar sein: Am Ende zählt für das börsenorientierte Unternehmen nur die Rendite. Für Apple wird diese Rechnung aufgehen.

Das könnte Dich auch interessieren:

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel