Oberkochen Neue Diagnostikgeräte für Augenärzte

Tobias Winkler arbeitet an einem Kombigerät für Augendiagnose in dem neu gebauten "Medical Solution Center" von Zeiss in Oberkochen. Foto: Zeiss
Tobias Winkler arbeitet an einem Kombigerät für Augendiagnose in dem neu gebauten "Medical Solution Center" von Zeiss in Oberkochen. Foto: Zeiss
Oberkochen / TOBIAS KNAACK 15.05.2013
Die Zeiss AG hat in Oberkochen groß investiert. Auf 60.000 Quadratmetern erstrecken sich neue Gebäude - darunter das Medical Solution Center, das Showroom und Schulungszentrum in einem ist.

Ein grüner Punkt in der Mitte von sechs grünen in alle Richtungen gehenden Linien. Eine grüne Sonne. Unscharf. Scharf. Ein Gitternetz vor dunkelrotem Hintergrund. Zusammen mit dem Gitternetz wirken Punkt und Linien wie ein Fadenkreuz. Einmal blinzeln, dann das Auge offenhalten. Augenuntersuchung aus der Perspektive des Patienten. Der Vorgang dauert nur Sekunden, dann hat der Arzt ein ziemlich exaktes Bild eines Bereiches vom Auge eines Patienten.

Möglich macht das ein Gerät, das erste seiner Art der Firma Zeiss, das eine Netzhautkamera mit einem Tomographen kombiniert. So kann der Arzt ein Augenhintergrundbild und einen 3D-Scan des zu untersuchenden Auges in einem Arbeitsgang erstellen. "Das erleichtert dem Arzt die Arbeit", erklärt Tobias Winkler, Leiter einer Gruppe von Anwendungsspezialisten bei Zeiss. "Früher musste er mehrere Bilder nebeneinander halten." Nun könne der Arzt am Bildschirm einen Scan auf die Stelle des Hintergrundbildes legen, an der er ein Krankheitsbild vermutet. Es erscheinen Bilder des Auges, die aussehen wie eine topografische Karte, wie Wärmebilder oder auch "wie ein Donut", wie Winkler sagt, als er eine neue Ansicht auf dem Bildschirm wählt. Was lustig klingt, erleichtere dem Arzt die Analyse. Für den Patienten sei es ein Vorgang weniger und so komfortabler.

Das Kombigerät steht neben weiteren Diagnostik- und OP-Apparaten der Augenheilkunde, die im Medical Solution Center des Zeiss-Geländes präsentiert werden. Auf 710 Quadratmetern zeigt die Firma dort unter anderem auch noch Geräte aus den Bereichen Zahnheilkunde, Onkologie sowie Neurochirurgie.

"Die Idee ist, alle Produkte für alle Disziplinen zu zeigen", sagt Dirk Brunner, der Geschäftsbereichsleiter Mikrochirurgie - und das für alle: für Ärzte, Unternehmen wie auch internes Personal. Der Raum, der überwiegend in weiß gehalten ist und nicht zuletzt aufgrund von Tischen mit Apple-Rechnern an die Läden des kalifornischen Technikgiganten erinnert, ist nicht nur Showroom, sondern auch Schulungszentrum. " Aus- und Weiterbildung ist in der Medizin enorm wichtig", sagt Brunner.

Das Center ist Teil des neuen Gebäudes des Unternehmensbereichs Medical Technology (Meditec), das insgesamt 30 000 Quadratmeter groß ist. Darin untergebracht sind neben 600 Büroplätzen auch die zusammengelegte Meditec-Produktion mit 7 000 Quadratmetern. Insgesamt baut Zeiss auf 60 000 Quadratmetern neue Gebäude.

Die Eröffnung vor drei Wochen passt zur gestern veröffentlichten Halbjahresbilanz (31. März), lässt das neue Gebäude doch den ungebrochenen Investitionsdrang des Konzerns auch in schwierigen Zeiten erkennen. Die hatten Zeiss im ersten Halbjahr 1,98 Mrd. EUR Umsatz beschert - nach rund 2 Mrd. EUR im Vorjahreszeitraum. Das Ergebnis (Ebit) lag bei 109 Mio. EUR nach 236 Mio. EUR. Es "lief wie erwartet schwieriger", sagte Michael Kaschke, der Vorstandsvorsitzende.

Das liegt vor allem am schwachen Halbleitergeschäft, das mit 392 Mio. EUR Umsatz um 18 Prozent schlechter als im Vorjahreszeitraum lag. Der umsatzstärkste Bereich war der Bereich Meditec mit einem Plus von 2 Prozent auf 494 Mio. EUR. Das Investitionsvolumen blieb mit 107 Mio. EUR auf beinahe demselben Niveau. "Wir führen Zukunftsinvestitionen konsequent weiter", sagte Kaschke. Und ein Teil davon ist das neue Medical Solution Center.