Altersversorgung Mütter müssen sich bei der Rente gedulden

Kurzfristige Reserven verbrauchen.
Kurzfristige Reserven verbrauchen. © Foto: SWP-Grafik
Würzburg / Dieter Keller 07.11.2018

Mütter im Seniorenalter müssen sich gedulden, bis sie in den Genuss der Erhöhung der Mütterrente kommen, die der Bundestag am Donnerstag beschließt. Sie gilt zwar ab 1. Januar 2019. Aber die Rentenversicherer brauchen etwas Zeit, bis sie das Geld überweisen können. Das Rentenpaket enthält noch zahlreiche weitere Punkte.

Mütterrente

Rentnerinnen bekommen derzeit für jedes Kind, das vor 1992 geboren wurde, genau 64,06 Euro im Monat Mütterrente im Westen und 61,38 Euro im Osten. Ab 1. Januar 2019 gibt es im Westen 16,02 Euro zusätzlich, im Osten 15,35 Euro. Von diesen Beträgen geht noch die Krankenversicherung ab. Allerdings haben die Rentenversicherer zu wenig Zeit zur Umsetzung. Daher können sie die Neuberechnung – für die kein Antrag gestellt werden muss – nur schrittweise ab März 2019 vornehmen. Dann bekommen die Mütter – oder die Väter, wenn sie das Kind erzogen haben – eine entsprechende Nachzahlung. Die Rentenversicherer kritisieren, dass die Kosten von 3,8 Milliarden Euro im Jahr den Beitragszahlern aufgebürdet werden und nicht allen Steuerzahlern.

Finanzentwicklung

Die Regierung belastet die Rentenversicherer, weil deren Kassen gut gefüllt sind. Da die Gehälter und damit ihre Einnahmen in diesem Jahr kräftig steigen, erwarten sie einen Überschuss von 4,05 Milliarden Euro, wie die Vorsitzende der Deutschen Rentenversicherung Bund, Annelie Buntenbach, in Würzburg sagte. Dadurch steigen die Rücklagen bis zum Jahresende auf 38 Milliarden Euro. Allerdings kostet das Rentenpaket im nächsten Jahr 4,1 Milliarden Euro zusätzlich. Dies dürfte bis 2025 auf 5 Milliarden Euro zunehmen.

Beitragssatz

Ohne das Rentenpaket könnte der Beitragssatz Anfang 2019 von derzeit 18,6 Prozent auf 18,2 Prozent gesenkt werden. Denn die Rücklagen dürfen nur maximal 150 Prozent einer Monatsausgaben betragen. Ende dieses Jahres sind es fast 180 Prozent. Dies hebelt die Koalition aus, um zusätzliche Leistungen wie die Erhöhung der Mütterrente zu bezahlen. Sie legt per Gesetz fest, dass der Beitrag bei 18,6 Prozent bleibt. Dies reicht voraussichtlich bis 2022. Im Jahr danach muss er nach den derzeitigen Hochrechnungen auf 19,1 Prozent steigen, im Jahr danach auf 19,9 Prozent.

Doppelte Haltelinie

Die Koalition schreibt fest, dass der Beitragssatz bis 2025 nicht über 20 Prozent steigen und das Rentenniveau nicht unter den derzeitigen Stand von 48 Prozent sinken darf. Das Rentenniveau gibt an, wie viel Rente ein Durchschnittsverdiener nach 45 Berufsjahren im Vergleich zu seiner aktiven Zeit bekommt. Ohne diesen Eingriff wäre es ab 2024 gesunken.

Rentenhöhe

Nach den derzeitigen Schätzungen steigen die Renten am 1. Juli 2019 im Westen um 3,18 Prozent und im Osten um 3,91 Prozent. Im Jahr danach dürfte die Rentenerhöhung allerdings geringer ausfallen. Denn darauf wirkt sich negativ aus, dass der Beitragssatz nicht gesenkt wird.

Renten wegen Erwerbsminderung

Für neue Fälle treten Anfang 2019 weitere Verbesserungen in Kraft. So wird bereits ab nächstem Jahr so gerechnet, als hätten die Betroffenen bis 65 gearbeitet.

Midi-Jobs

Wer 450 bis 850 Euro im Monat verdient, zahlt schon heute nicht die vollen Sozialbeiträge, damit die Abzüge im Vergleich zu einem Minijob nicht so hoch sind. Diese „Gleitzone“ wird ab 1. Juli 2019 auf 1300 Euro angehoben. Der Arbeitnehmer bekommt zwar weniger abgezogen, aber das hat keine negativen Auswirkungen auf die Rentenansprüche.

Weitere Pläne

2019 will Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) zwei Gesetzentwürfe vorlegen: Für Selbständige soll es eine Altersvorsorgepflicht geben, und die Grundrente soll nach 35 Beitragsjahren mehr als die Grundsicherung bringen. Die Rentenkommission soll Vorschläge machen, wie sich nach 2025 das Rentenniveau und der Beitragssatz entwickeln sollen.

Die Schere geht auseinander
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