Sicherheit Sicherheitstechnik: Hausschlüssel war gestern

Sandra Gallbronner 03.01.2018
Mit Videoanlagen überprüfen immer mehr Menschen, was sich auf ihrem Grundstück abspielt. Auch mit biometrischen Lesegeräten.

Genervt die Handtasche nach dem Hausschlüssel durchforsten muss die junge Frau schon lange nicht mehr. Stattdessen genügt ihr rechter Zeigefinger, den sie über ein Gerät neben der Haustür zieht. Nach ein paar Sekunden erscheint ein grünes Licht und der Türöffner ertönt. Ein Schubs genügt und die Studentin steht in der Wohnung.

Immer häufiger wird der Zutritt in Wohnhäuser oder Firmen mittels eines Fingerabdrucks über ein biometrisches Lesegerät reguliert. Die Vorteile liegen auf der Hand: Es kann kein Schlüssel vergessen werden oder verloren gehen. Außerdem sind nur ausgewählte Leute berechtigt, das Gebäude zu betreten. Wessen Finger nicht eingelernt worden ist, dem bleibt der Zutritt versperrt.

Dennoch hinkt Deutschland in Bezug auf biometrische Zugangskontrollsysteme hinter her. Es ist die Sorge um die Datensicherheit, die den Deutschen umtreibt. Doch Bedenken seien unbegründet, sagt Andreas Baumann, Betriebsleiter der Reif GmbH  in Heroldstatt im Alb-Donau-Kreis, die innovative Sicherheitstechnik vertreibt. Denn der gespeicherte Fingerabdruck wird verschlüsselt und umcodiert, sodass er Betrügern nicht in die Hände fallen kann.

Allmählich werde auch hierzulande das biometrische Lesegerät salonfähiger, weiß Firmeninhaber Joachim Reif und sieht positiv in die Zukunft: „Dieser Markt wird sich noch stark wandeln.“ So können künftig neben Fingerscans verstärkt Gesichts- und Augenscans zum Einsatz kommen, die selbst Zwillinge auseinander halten können. Auch Venenscanner gibt es bereits.

80 Prozent der Menschen, die die Firma Reif aufsuchen, kommen aus dem gewerblichen Bereich. So etwa die Volksbank Laichingen, die mit Chip-Schlüsseltechnik, Raumüberwachung, Bewegungsmelder, Alarmanlage, Brandmeldetechnik sowie Überfall- und Einbruchanlage in vollem Umfang ausgestattet ist.

Zwar ist die Zahl der Wohnungseinbrüche in Baden-Württemberg in den vergangenen beiden Jahren von rund 13 500 auf etwa 11 100 (Stand 2016) gesunken, im Vergleich zu 2007 (6737 Einbrüche) ist sie aber immer noch erschreckend hoch. Hinzu kommt das dreiste Verhalten vieler Einbrecher, wie Joachim Reif und seine Mitarbeiter feststellen müssen: „Die Gewaltbereitschaft bei Einbrüchen nimmt massiv zu“, erklärt der Unternehmer. So verwundert es nicht, dass auch bei Privatleuten das Sicherheitsbedürfnis steigt. In jüngster Zeit fragen viele Menschen nach Videotechnik, erklärt Baumann, der sich auf Videoanlagen spezialisiert hat: „Vor allem Familien, aber auch Menschen ab 40 und Rentner möchten wissen, was sich auf ihrem Grundstück tut.“ Über eine App sind die Filmaufnahmen jederzeit auf dem Smartphone abrufbar.

Zudem empfiehlt der Experte eine Kombination aus Videotechnik und Sensorik. Sobald beispielsweise ein Bewegungsmelder ausgelöst wird, greift eine Kamera oder eine Videoanlage, die so installiert werden kann, dass sie der Bewegung folgt.

Bei Türen und Fenstern rät Reif mechanische und elektronische Sicherungen zu kombinieren. Allerdings ist die Handhabung bei mechanischen Lösungen vor allem für Senioren recht komplex. So muss stets daran gedacht werden, alle Türen und Fenster abzuschließen. Bei der Alarmanlage hingegen ist nur ein Knopfdruck nötig. „Die meisten entscheiden sich daher für eine Alarmanlage“, sagt Reif.

Schlussendlich können jedoch weder mechanische noch elektronische Sicherungen einen Einbruch verhindern. Allerdings können sie die Zeit, die die Einbrecher benötigen, erheblich erhöhen. Zudem können Alarmanlagen Informationen an Privatpersonen oder einen Wachdienst übertragen, welche die Polizei verständigen können.

Über mangelnde Aufträge kann sich Reif nicht beklagen: „Wir werden zugeschüttet mir Arbeit“, gibt er zu. 3 Mio. € Umsatz macht sein Unternehmen jährlich. Der Sicherheitsmarkt in Deutschland sei mit rund 1000 Fachfirmen zwar ein kleiner, aber stetig wachsender. Joachim Reif, der seine Firma für Sicherheitstechnik 1997 gründete, beschäftigt derzeit 35 Mitarbeiter. In ein paar Jahren wird der gelernte Luft- und Raumfahrtingenieur sein Team erweitern müssen. Und vielleicht werden dann Fingerscan-Geräte an Haustüren schon völlig normal sein.

Was kostet zusätzlicher Schutz fürs Eigenheim?

Elektronische Schließtechnik liegt im Trend. Die Kosten für biometrische Finger-Erkennungsgeräte gehen bei 400 € los und liegen für ein solides Gerät bei 800 €.

Mechanische Lösungen kosten bei einer Wohnung etwa 1000 €, bei einem Haus 4000 bis 10 000 €. Zudem wird der Einbau von Schließtechnik staatlich gefördert.

Häuslebauer sollten direkt auf sichere Fenster und Türen achten. Ein nachträglicher Einbau von Sicherungen bringt neben höheren Kosten auch ästhetische Nachteile mit sich.

Bei Videoanlagen bewegt sich der Preis zwischen 3000 und 8000 €. sga