Berlin Mittel gegen explodierende Beiträge

Standarduntersuchungen, etwa beim Augenarzt, zahlen alle privaten Versicherer.
Standarduntersuchungen, etwa beim Augenarzt, zahlen alle privaten Versicherer. © Foto: WavebreakMediaMicro/Fotolia
Berlin / DIETER KELLER 09.01.2016
Die privaten Krankenversicherer wollen den Wechsel in einen günstigeren Tarif verbraucherfreundlicher gestalten. Er kann viel Geld sparen.

Der Brief der privaten Krankenversicherung an Max Meier (Name geändert) verhieß nichts Gutes: Um über 10 Prozent sollte sein Beitrag steigen. Dabei lag der schon über 700 EUR im Monat. Doch auf Anfrage des gutverdienenden Angestellten bot ihm das Unternehmen alternative Tarife an. Heute zahlt Weber ein Drittel weniger als zuvor, und das bei weitgehend gleichen Leistungen.

Meier profitierte davon, dass sich seine Gesellschaft schon an die neuen Tarifwechsel-Leitlinien des Verbands der Privaten Krankenversicherung (PKV) hielt, die seit Jahresbeginn für die meisten Anbieter gelten. Darin verpflichten sie sich, wechselwilligen Versicherten entweder alle alternativen Tarife anzubieten oder einen Teil davon auf Basis eines objektiven Auswahlsystems, das unabhängige Wirtschaftsprüfer kontrollieren. Steigt der Beitrag, zeigen sie ihren Kunden bereits ab 55 Jahren automatisch Alternativen mit gleichartigem Schutz zu geringeren Beiträgen auf. Bisher geschah dies erst ab 60.

Gut jeder zehnte Bürger ist voll privat krankenversichert. Knapp die Hälfte sind Beamte und Pensionäre, die mit günstigen Spezialtarifen nur den Teil abdecken, den die staatliche Beihilfe nicht trägt. Die übrigen sind Selbstständige und Arbeitnehmer, deren Jahresgehalt über der Versicherungspflichtgrenze von derzeit 56.250 EUR liegt, sowie Rentner und Angehörige.

In jungen Jahren kann der Wechsel aus der gesetzlichen in die private Krankenversicherung viel Geld sparen. Doch so mancher macht die Erfahrung, dass mit der Zeit die Beiträge explodieren, auch wenn der PKV-Verband eine Analyse der langfristigen Entwicklung zitiert, wonach sie bei der PKV um 3,3 Prozent und bei den gesetzlichen Krankenkassen um 3,1 Prozent pro Jahr gestiegen sind. Da jeder Versicherer jeden Tarif für sich kalkuliert, kann die Entwicklung im Einzelfall ganz anders aussehen.

Der Weg zurück zu einer gesetzlichen Kasse ist schwer und ab 55 gar nicht mehr möglich. Auch der Wechsel zu einem anderen Anbieter kommt kaum in Frage, weil dann alle Rücklagen fürs Alter verloren gehen; erst bei Vertragsabschluss ab 2009 können sie teilweise mitgenommen werden. Doch die Versicherer haben meist eine Vielzahl von Tarifen. Auch wenn sie für neue Kunden geschlossen sind, können sie sich für den Wechsel anbieten. Sind ihre Leistungen umfangreicher, sind eine neue Gesundheitsprüfung und Zuschläge möglich.

Die PKV-Leitlinien für den Tarifwechsel sind wohl auch der Versuch, die private Krankenversicherung in ein günstigeres Licht zu rücken. Kämpft sie doch mit Imageproblemen, rückläufigen Mitgliederzahlen und steigenden Kosten. Aus Verbrauchersicht seien sie zu loben, meint Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Er empfiehlt allerdings, im Zweifelsfall einen Honorarberater hinzuzuziehen, wenn das Alternativangebot des Versicherers zu umfangreich und unübersichtlich ausfällt.