Ein sozialer Beruf sollte es sein. Soviel wusste Lina-Sophie Raabe, bevor sie nach dem Abitur zur Berufsberatung ging. „Aber den kaufmännischen Bereich fand ich auch interessant, man kann so vieldamit machen“, sagt die 20-Jährige. Schließlich entschied sie sich für die Kauffrau im Gesundheitswesen.

 Rechnungen und Personalstatistiken verfassen, Patienten beraten und Dienstleistungen dokumentieren – das ist nur ein Teil der vielen verschiedenen Aufgaben, die Raabe als Auszubildende bei der Techniker Krankenkasse absolviert. Von Marketing bis hin zum Gesundheitsrecht: Überall dort, wo wirtschaftliche und gesundheitsspezifische Bereiche aufeinandertreffen, arbeiten Kaufleute im Gesundheitswesen. „Ich finde die Vielseitigkeit toll und den Kontakt zu Menschen, sowohl im Team als auch mit den Kunden“, sagt Raabe.

 Drei Jahre dauert die duale Ausbildung. Ausbildungsbetriebe können neben Krankenkassen auch Pflegeeinrichtungen, Krankenhäuser, Arztpraxen, Wohlfahrtsverbände oder Rehabilitations-Zentren sein. 2001 anerkannt, ist der Ausbildungsberuf vergleichsweise jung. Geschaffen wurde er laut Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) alsReaktion – auf neue wirtschaftliche Anforderungen an Gesundheitseinrichtungen und auf neue Wünsche von Kunden und Patienten.

 „Gerade jetzt merkt man, dass Gesundheit ein ganz wichtiger Aspekt in der Gesellschaft ist, beispielsweise an all den Trendsportarten“, sagt Raabe. „Ich finde den Bereich auch interessant, weil er immer wächst und Zukunft hat.“ Die Zahlen geben ihr Recht: Laut Bundesagentur für Arbeit gab es 2017 rund 4600 Auszubildende im kaufmännischen Gesundheitswesen, 1000 mehr als im Jahr 2013. Auch die Aussichten auf dem Arbeitsmarkt sind rosig: Aktuell werden deutschlandweit 3200 Kaufleute im Gesundheitswesen gesucht, erklärt Paul Ebsen, Pressesprecher der Bundesagentur.

 Über großen Zulauf an Auszubildenden freut sich auch Steffen Brandt, Bereichsleiter für den Ausbildungsberuf an der Alice-Salomon-Schule in Hannover. „Die Anmeldezahlen steigen und steigen, wir habe mit 15 Auszubildenden pro Jahrgang begonnen und sind inzwischen bei 100“, berichtet er. Von seinen Schülern erwartet Brandt Zuverlässigkeit und Sorgfalt, gute Deutsch- und Mathekenntnisse, dazu Kommunikations- und Teamfähigkeit. „Je nach Ausrichtung der Ausbildungsbetriebe hat man es auch mit gesundheitsspezifischen Rechtsgrundlagen zu tun“, ergänzt er.

So unterschiedlich die Ausbildungsbetriebe sind, so unterschiedlich bilden sie auch aus. Brandt empfiehlt deshalb jedem Interessenten: „Schon im Bewerbungsgespräch ganz direkt danach fragen, wie ausgebildet wird und was man in den drei Jahren konkret tut.“ Die schulische Ausbildung erklärt Brandt so: „Überwiegend ist es eine normale kaufmännische Ausbildung mit Themen wie Rechnungswesen, Marketing, Einkauf, Verkauf, Personalwesen.“ Darüber hinaus lernen die Auszubildenden das Gesundheitswesen im Allgemeinen kennen, ebenso das Anbieten und Abrechnen von medizinischen Dienstleistungen sowie diverse Fachbegriffe.

 Wer sich bereits für die Ausbildung entschieden hat, wisse vor allem ihre Vielseitigkeit und die Möglichkeiten der Weiterbildung zu schätzen, sagt Brandt. Negativ bewerteten seine Schüler dagegen eine geringe Anzahl an Berufsschulen, die Kaufleute im Gesundheitswesen ausbilden. Auch die Vergütung empfanden einige Schüler als zu gering: Laut BIBB liegt sie durchschnittlich und über den gesamten Ausbildungsverlauf bei rund 850 Euro.

 Lukrativer erscheinen so manchem die Weiterbildungsmöglichkeiten, etwa zum Fachwirt im Gesundheits- und Sozialwesen oder zum Betriebswirt. „Ferner können sich Kaufleute im Gesundheitswesen nach Abschluss der Ausbildung im Qualitätsmanagement und im Bereich der Ausbildung qualifizieren“, erklärt Gisela Mettin vom BIBB. Auch ein weiterführendes Studium sei möglich.

 Auch Lina-Sophie Raabe kann sich eine Weiterbildung gut vorstellen. Bis dahin bleibt ihr aber noch etwas Zeit, den Beruf zur Kauffrau im Gesundheitswesen kennenzulernen. „Ich war schon überrascht, weil ich gar nicht genau wusste, was alles dahintersteckt“, sagt sie. „Es ist nicht nur reine Büroarbeit, man muss den Menschen auch Empathie entgegenbringen.“

 Das Menschliche und Fachliche zu verbinden, sei für sie die größte Herausforderung. „Wenn ich einem Kunden sagen muss, dass ich etwas nicht bewilligen kann, fällt mir das manchmal schwer. Einige Dinge sind an Gesetze gebunden, und trotzdem kann ich mich in mein Gegenüber hineinversetzen“, erklärt sie. Trotz aller Herausforderungen will sie im Gesundheitsbereich will sie bleiben, da ist sich Raabe sicher.