Ostfildern Mit Gottvertrauen am Werk

Der Lieblingsplatz von Susanne Kunschert im Unternehmen ist im Kreise ihrer Mitarbeiter. Reden ist für die Firmenleiterin wichtig: "Ich habe eine große innere Ruhe und Toleranz gegenüber anderen." Foto: Rudi Apprich
Der Lieblingsplatz von Susanne Kunschert im Unternehmen ist im Kreise ihrer Mitarbeiter. Reden ist für die Firmenleiterin wichtig: "Ich habe eine große innere Ruhe und Toleranz gegenüber anderen." Foto: Rudi Apprich
Ostfildern / THOMAS VEITINGER 09.06.2012
Ein fester Händedruck, klare Worte, erfolgreiche Unternehmensführung. Susanne Kunschert ist eine Macherin. Doch dahinter stehen Gefühle, Glauben, Toleranz: christliche Werte mit persönlicher Mission.

Wenn Susanne Kunschert etwas schön findet, ist es nicht einfach "schön" oder "sehr schön", sondern "wunder-, wunder-, wunderschön". Die Chefin der Pilz GmbH & Co. KG ist immer mit vollem Herzen dabei. Ihr Gesicht strahlt, ihre Hände wirbeln zu den Worten und ihre Geschichten sind voller Freude, Enthusiasmus und Dankbarkeit. Die 41-Jährige umarmt die Empfangsdame ihres Unternehmens zur Begrüßung genauso wie den Marketing-Mitarbeiter zum Abschied.

"Gott hat mir ein freundliches Naturell gegeben", sagt die für Finanzen, Controlling und Personalentwicklung zuständige geschäftsführende Gesellschafterin - und meint es so, Wort für Wort. Sie leitet den Hersteller von Sicherheits- und Steuerungstechnik in Ostfildern (Landkreis Esslingen) zusammen mit ihrem drei Jahre älteren Bruder Thomas Pilz und ihrer Mutter Renate Pilz.

"Ich habe eine große innere Ruhe und Toleranz gegenüber anderen", beschreibt sich die Betriebswirtschaftlerin. Doch die musste sie erst einmal finden. Als Susanne Kunschert nach Malawi reist, sieht sie dort die Figur des aufstehenden Jesus, der nicht ans Kreuz genagelt ist, sondern aufrecht steht und die Arme nach oben streckt. "Bei der Erinnerung bekomme ich heute noch eine Gänsehaut." Sie ist begeistert von der Freundlichkeit und Gastfreundschaft der Menschen in dem afrikanischen Land. Aber auch die armen Einheimischen müssen von ihr angetan sein und schenken ihr eine Ziege. Noch heute hat sie Beziehungen dorthin.

Dass es in den Städten Malawis weniger harmonisch zugeht als auf dem Land, liege auch am Fernsehen, erkennt Kunschert und schaut von da an überhaupt nicht mehr fern. Filme über Ghandi oder Coco Chanell im Kino begeistern sie jedoch, auch Batman kann sie etwas abgewinnen. Das Töten von Menschen wie in "Schweigen der Lämmer" ist für sie tabu.

Doch es braucht noch mehr, als Erfahrungen in einen fremden Land, um sie auf den Weg der Unternehmerin zu bringen. Wollte sie als Gymnasiastin Lebenskünstlerin werden, liebäugelt sie später mit Kunst. Ihre Mutter erzieht sie katholisch, übt aber keinen Druck aus, um sie ins Unternehmen zu holen. Susanne Kunschert hat den Namen ihres Mannes übernommen, weil sie nicht als Tochter wahrgenommen werden will. Ihr Vater stirbt bei einem Flugzeugunglück, als sie vier Jahre alt ist. Sie verarbeitet die Trauer durch Thematisierung und nicht Tabuisierung. "Ich bin nicht ein ernsterer Mensch geworden, nur weil ich mich mit dem Tod beschäftigt habe." Als sie als BWL-Studentin in Regensburg in eine Sinnkrise gerät, bestärkt sie ein Priester, dass sich auch mit einem BWL-Studium Gutes tun lässt.

Und dann gibt es noch den Dozenten und Buchautor Baldur Kirchner. Zu ihm fährt sie zu Schweigeseminaren und lernt, was wirklich wichtig ist, um glücklich zu sein: Kein Tee, Kaffee, Fernsehen, sondern nur der Glaube, an sich, andere und Gott. Den Weg zu sich selbst zu finden, ist wichtig, findet Kunschert, die sich an einem Spruch Kirchners besonders orientiert: "Wenn du andere führen möchtest, mögest du gelernt haben, dich selbst zu führen." Vorleben, ist für sie wichtig, bei ihrem Kind und ihren Mitarbeitern.

Jahrelang holt sie ihren Sohn vom Kindergarten ab, komme was wolle. "Wenn ich dann mit meinen Gedanken bei der Arbeit bin, wurde er richtig wütend." Für sie ist es Fingerzeig, sich zu ändern. Sie will christliche Werte widerspiegeln - ohne Missionarin zu sein. "Bei Einstellungen hier im Unternehmen wird nicht nach der Konfession gefragt, aber ob man mit bestimmten Werten leben kann."

"Ich finde meinen Job großartig. Ich kann mit Geld umgehen, schon als Kind hatte ich immer ein volles Sparschwein." Leben ist für sie Arbeit - mit ihrem Sohn, Familie, Mitarbeitern. Mitarbeitern zuzuhören, offen zu sein, sie widerzuspiegeln sei wichtig. "Ich bitte schon mal, den Raum zu lüften, wenn ich spüre, dass etwas die Stimmung vergiftet oder sage, alle sollen aufstehen um Probleme abzuschütteln." Mit ihrer Mutter hat sie schon bis nachts um Lösungen gerungen, in 90 Prozent aller Fälle funktioniere dies: "Sie ist der eigentliche Chef." Um durchs Schlüsselloch ins Himmelreich zu kommen müsse man "arbeiten, arbeiten, arbeiten".

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