Kappel-Grafenhausen / JÜRGEN RUF, DPA  Uhr
Die Sarghersteller-Branche in Deutschland ist im Umbruch. Der Trend zur Feuerbestattung verändert den Markt und erhöht den Konkurrenzdruck. Geblieben ist aber der Sarg als Statussymbol.

Die letzte Bleibe wird aus Schwarzwaldholz gezimmert: Früher kam sie fast immer unter die Erde, heute landet sie oft im Ofen. Die Mitarbeiter der Süddeutschen Sargfabrik Wurth spüren den Wandel im Bestattungsgewerbe. Das Familienunternehmen im badischen Kappel-Grafenhausen ist einer der fünf größten Sarghersteller Deutschlands. Es steht beispielhaft für eine Branche, die sich im Umbruch befindet.

Mit dem Volkstrauertag und dem Totensonntag ist in diesem Monat das Thema wieder mal im öffentlichen Gedächtnis. Für Bernhard Wurth ist es Alltagsgeschäft. Der Diplom-Ingenieur der Holztechnik leitet in zweiter Generation die von seinem Vater 1957 gegründete Sargfabrik. Mit 16 000 verkauften Särgen pro Jahr ist der rund 30 Mitarbeiter zählende Betrieb im Süden Baden-Württembergs einer der großen im Land. Die Produktpalette reicht vom einfachen Exemplar bis zum Designersarg, geliefert wird auch nach Frankreich.

Produziert wird mit Hochtechnologie und Handarbeit. Den Zuschnitt übernimmt ein Roboter. Die weiteren Schritte der Herstellung übernehmen die 16 in der Produktion Beschäftigten. Auch das Verzieren der Särge sowie das Beschichten mit einem Papierdekor. Verarbeitet wird zu 90 Prozent Kiefernholz. Damit es verwendet werden kann, muss es mindestens eine Woche getrocknet werden.

Wurth liefert, wie alle Hersteller, an die Bestatter. Diese verkaufen die Särge weiter. "Jedes Jahr sterben in Deutschland zwischen 840 000 und knapp 860 000 Menschen", sagt der Firmenchef. "Diese Zahl ist seit Jahren unverändert, sie gibt der Branche den Rahmen." Das macht das Geschäft planbar. Mit schnellen Steigerungsraten können die Sarghersteller nicht rechnen.

Im Gegenteil: "Das Kaufverhalten hat sich in den vergangenen Jahren gravierend verändert", sagt Wurth. "Wurde noch vor zehn Jahren die Erdbestattung als die übliche Bestattungsform angesehen, so wird die Mehrzahl der Särge heute für Feuerbestattung ausgeliefert."

Die Folge: Weil er schnell im Krematorium verschwindet, verliert der Sarg an Bedeutung. Das mittlere Preissegment, das traditionell bei Erdbestattungen eine Rolle spielt und das Hauptsegment der deutschen Hersteller ist, bricht weg. Die Unternehmen haben seit Beginn der 1990er Jahre mit Konkurrenz aus Osteuropa zu kämpfen.

"Mittlerweile stammen fast 60 Prozent der in Deutschland angebotenen Särge aus osteuropäischer Produktion", sagt Siegfried von Lauvenberg, Geschäftsführer des Verbandes der Deutschen Zulieferindustrie für das Bestattungsgewerbe (VDZB) in Bonn.

Deutschlands Sargfabriken reagieren darauf. Sie produzieren nicht mehr nur, sondern handeln zusätzlich mit Särgen, die aus dem Ausland kommen. Auch die Süddeutsche Sargfabrik: Rund 10 000 Särge werden hier selbst produziert, der Rest wird zugekauft.

"Verändert hat sich auch der Geschmack der Kunden", sagt Wurth. Waren früher meist dunkle Farben gefragt, gehe der Trend mittlerweile zu hellen Tönen und natürlichen Oberflächen. In den oberen Preisklassen weiche der einfache Kistenschnitt zunehmend der vor allem in Italien gängigen, wuchtigen Truhenform. "Diese gibt ein gutes Bild ab", sagt der Sargfabrikant. "Der Sarg dient auch als Statussymbol."