Apple Pay  Mit dem Smartphone schnell den Einkauf bezahlen

Geht ganz einfach: Das Handy an das Kassenterminal halten und fertig.
Geht ganz einfach: Das Handy an das Kassenterminal halten und fertig. © Foto: Hero Images/Getty Images
Frankfurt / Von Rolf Obertreis 03.08.2018

Darauf warten Nutzer von Apple Smartphones schon lange, bis Jahresende soll es so weit sein. Apple Pay, der Bezahldienst des US-Technologie-Konzerns, wird auch in Deutschland ausgerollt. Apple will das Feld für kontaktloses Bezahlen in Deutschland nicht Google oder den Banken und Sparkassen überlassen. Fragen und Antworten.

Wann will Apple seinen Bezahldienst genau einführen?  Das hat Konzernchef Cook noch nicht gesagt. Es soll aber bis Jahresende passieren. Ohne Banken und Sparkassen geht es nicht. Schließlich ist Apple kein Geldhaus, die Konten von Verbraucher und Handel liegen bei den Kreditinstituten. Deutsche Bank, die Hypovereinsbank und die Berliner Onlinebank N26 kündigten ihre Beteiligung an. Mit dabei ist auch der Zahlungsdienstleister Wirecard mit seiner App „boon“.

Was macht Apple Pay möglich? Es geht wie bei den anderen Anbietern um das kontaktlose Bezahlen. Man nimmt sein Smartphone – je nach Bank oder Sparkasse mit oder ohne Öffnen einer entsprechenden App – hält es mit einem Abstand von wenigen Zentimetern an das Terminal an der Kasse und der Betrag wird automatisch abgebucht. Die Terminals müssen dazu wie auch das Smartphone mit einem NFC (Near Field Communication)-Chip ausgestattet sein. Das soll mittlerweile bei der Hälfte der 800 000 Terminals in Deutschland der Fall sein. Mit Apple Pay können auch Einkäufe im Internet bezahlt werden.

Was bietet Apple Pay außerdem? Bezahlt werden kann auch mit einer Apple-Uhr. Das ist in Deutschland schon seit Juni möglich – mit einer Garmin Smartwatch und einer integrierten Kreditkarte von Mastercard über Google Pay.

Wird Apple mit Apple Pay Geld verdienen? Natürlich. In 24 Ländern weltweit gibt es Apple Pay bereits. Im zweiten Quartal wurden weltweit über Apple Pay rund eine Milliarde Zahlungen abgewickelt. Jedes Mal bekommt Apple eine Provision vom Händler, pro Transaktion 0,15 Prozent des Betrages. Dafür spart der Handel aber die beträchtlichen Aufwendungen für Bargeld, etwa das Holen und Bringen zur Bank.

Kann jeder Betrag kontaktlos beglichen werden? Im Prinzip schon. Bei Beträgen ab 25 € wird aber auch die Pin verlangt.

Wer bietet diese Form des Bezahlens in Deutschland schon an? Die Deutsche Bank schon seit April vergangenen Jahres; die Commerzbank, ihre Tochter Comdirect sowie die Onlinebank N26 zusammen mit Google Pay seit Ende Juni. Die Sparkassen sind seit 30. Juli dabei mit gut 300 der 385 Institute und für Android-­Smartphones. Ab Mitte August sollen 85 Prozent aller Volks- und Raiffeisenbanken den Dienst anbieten, der Rest im nächsten Jahr. Die Banken und Sparkassen lassen das Verfahren jeweils über Apps laufen, in denen die Kunden entweder ihre Girocard oder eine Kreditkarte hinterlegen. Die Zahl der Nutzer ist allgemein noch sehr klein.

Kontaktlos bezahlen geht aber auch ohne Smartphone, oder? Ja. Längst sind sehr viele Girokarten und Kreditkarten mit einem NFC-Chip ausgestattet, bei den Volks- und Raiffeisenbanken etwa 14 der 27 Mio. Girokarten, bei den Sparkassen 23 Millionen. Die Großbanken sind auch schon sehr weit. Bis 2020 sollen in Deutschland 75 Mio. Bankkarten NFC-fähig sein. Bei Kreditkarten ist das fast schon Standard. Auch diese Karten muss der Kunde zum Bezahlen nur an das Terminal halten. Erkennbar ist die NFC-Fähigkeit der Karte am auf der Vorderseite aufgebrachten Funksymbol, ähnlich dem Wlan-Symbol.

Wie bewerten Verbraucherschützer die Einführung von Apple Pay? Neutral. Für viele Apple-Nutzer sei das wohl wichtig. Generell könne man aber auch mit Karte kontaktlos bezahlen. Die sei im Zweifelsfall sogar schneller gezückt als das Smartphone.

Wie nutzen die Deutschen bislang das kontaktlose Bezahlen? Verhalten.  Einkäufe werden gemessen am Umsatz zu 48 Prozent in bar beglichen. Girokarten kommen auf 23, Kreditkarten auf 19 Prozent. Kontaktlose Zahlungen mit Smartphones lägen im Bereich weniger Prozentpunkte. Auch die 18- bis 24jährigen, die mit dem Smartphone mehr als vertraut sind, setzen zu 49 Prozent auf Barzahlungen. Bei der Zurückhaltung spielt die Datensammelwut vor allem von Google vermutlich eine wichtige Rolle.

Betrug ist sehr unwahrscheinlich

Die Sicherheit beim Bezahlen mit dem Smartphone ist gewährleistet. Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg sind jedenfalls noch keine Klagen zu Ohren gekommen. Das größte Risiko dürfte darin liegen, dass man Giro- oder Kreditkarte und das Smartphone liegen lässt. Solange die Karten nicht gesperrt sind, sind kontaktlose Zahlungen bis 25 € möglich. Gleiches gilt für Smartphones. Beim Verbraucherportal Finanztip heißt es, das Ausspähen von Daten sei theoretisch möglich, aber sehr unwahrscheinlich. otr

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