Wer kennt das nicht: Man strampelt mit seinem Fahrrad eine Steigung hinauf und blickt dabei immer öfter in lächelnde Gesichter von Menschen, die scheinbar mühelos an einem vorbeisurren. E-Bikes, mit Elektromotoren unterstützte Fahrräder also, verschaffen der Branche gute Umsätze. Der Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) geht mittelfristig davon aus, dass der Sektor in Deutschland einen Anteil von 15 Prozent erreichen wird. "Dies entspricht einer Stückzahl von 600 000 Einheiten", sagt ZIV-Geschäftsführer Siegfried Neuberger auf der internationalen Branchenmesse "Eurobike 2015", die noch bis Samstag für die Fachwelt geöffnet ist. "Das E-Bike entwickelt sich mehr und mehr zum alltäglichen Mobilitätspartner. Aber auch technische Innovationen und attraktive Konstruktionslösungen tragen zum ungebremsten Interesse der Räder bei", erläutert Neuberger.

In den Messehallen sieht man die Fahrradwelt von morgen: Mit der italienischen Firma Neox hat sich ein relativ junger Hersteller auf den Weg an den Bodensee gemacht. Das Unternehmen aus Recoaro Terme präsentiert als erster Anbieter City- und Touringräder, bei denen Motor, Getriebe und Antriebsketten in einem gekapselten Gehäuse vereint sind. Der Vorteil der selbstentwickelten elektronischen Schaltung ist, dass das Fahrrad ganz ohne Verkabelung auskommt. Die Kraftübertragung aufs Hinterrad erfolgt über einen Kette im Hinterbau, der als Einarmschwinge gestaltet ist. Auf diese Weise kann das Hinterrad ganz bequem und vor allem in wenigen Sekunden auch von Laien aus- und eingebaut werden.

Dagegen ist es fast unmöglich, die 5000 EUR teuren Drahtesel der italienischen Radspezialisten zu stibitzen. Dafür sorgt ein Pin-Code, den nur der Eigentümer kennt. Wird die Zahlenkombination nicht korrekt eingegeben, schaltet das Getriebe automatisch in den Leerlauf. In diesem Modus kann das Fahrrad nicht mehr gefahren werden.

Ebenso clever ist das, was die junge Berliner Firma Freygeist in Friedrichshafen präsentiert. Die Tüftler aus der Hauptstadt haben ein E-Bike entwickelt, das auf den ersten Blick nicht als solches zu erkennen ist, da sich der kleine Motor auf der Hinternabe des Rennrades verbirgt. Gesteuert wird er über eine App auf dem Smartphone. Das Zweirad, das in erster Linie für eine junge Zielgruppe konzipiert ist, bringt nur 12 Kilogramm auf die Waage und ist laut Hersteller damit etwa zehn Kilogramm leichter als ein konventionelles E-Bike. Die Kosten für die Neuheit liegen bei knapp 4000 EUR.

Hoch hinaus möchte der in Schweinfurt ansässige Hersteller Haibike mit elektrisch angetriebenen Mountainbikes. Auf der Messe zeigt er die ersten sportlichen E-Bikes seines Modells Performance mit der neuen Motorengeneration CX von Bosch Premiere. Die Modelle der aktuellen Xduro-Linie gehen mit neuem Design, in den Rahmen integrierte Batterien und optisch deutlich kleineren Motoren an den Start in die Berge. Darunter befinden sich Räder mit vollständig überarbeiteten Carbon-Rahmen und schnelle S-Pedelec-Varianten, die eine Unterstützung bis 45 Stundenkilometern bieten. Federwege von 100 bis 200 Millimeter fangen Schläge bei jedem noch so harten Offroad-Einsatz ab.

Man findet nicht nur Aussteller, die dafür sorgen, dass man bequem auf seinem Drahtesel sitzt, sondern auch Anbieter, die sich um die passende Kleidung kümmern. Am Stand des Textilkonzerns Gore entdecken wir mit der Produktlösung "1beats2" ein Fabrikat, das Wind und Wetter trotzt. Mit dem Einteiler erübrigt sich die Frage vor einer Radtour, ob man bei unsicheren Witterungsverhältnissen eine Jacke oder eben nur ein Trikot mitnehmen soll. Das aus elastischem Laminat bestehende Modell ist atmungsaktiv, verringert das Risiko des Radlers sich zu überhitzen und bietet zugleich Thermoschutz und absolute Winddurchlässigkeit. Auf diese Weise sorgt das extrem leichte und schweißableitende Trikot mitunter auch dafür, dass kein Radfahrer auf hügeligen Strecken einmal sein Lächeln verliert.

Samstag ist Publikumstag

Branchenmesse In Friedrichshafen dreht sich zurzeit alles ums Rad. Die internationale Fahrradmesse "Eurobike 2015" mit 1350 Ausstellern aus der ganzen Welt bietet den Fachbesuchern einen Überblick über Alltags-, Sport- und E-Bikes sowie Lasten-, Kinder und Liegeräder. Am morgigen Samstag ist Publikumstag. Dann können alle interessierte Zweirad-Fahrer durch die 13 Messehallen schlendern. Geöffnet ist von 9 bis 18 Uhr. Eine Tageskarte kostet 14 Euro, im Internet 12 Euro.