Autoindustrie Porsche steckt Milliarden in die E-Mobilität

Porsche-Chef Oliver Blume (links) und Finanzchef Lutz Meschke zeigen die  Zukunft: den Mission E Cross Turismo.
Porsche-Chef Oliver Blume (links) und Finanzchef Lutz Meschke zeigen die  Zukunft: den Mission E Cross Turismo. © Foto: dpa
Zuffenhausen / Alexander Bögelein 17.03.2018
Der Sportwagenbauer verdient prächtig. Nächstes Jahr kommt das erste vollelektrische Modell.

Porsche-Chef Oliver Blume lässt es röhren. Bilder aus 70 Jahre Firmen- und damit auch Rennsportgeschichte flimmern zum Auftakt der Bilanz-PK im Porsche-Museum über die Leinwand. Der Sportwagenbauer aus Stuttgart-Zuffenhausen pflegt seinen Mythos: Dröhnend donnern die 911er über die Rennstrecke. „Wir bauen Sportwagen, von denen die Menschen träumen“, zitiert Blume Firmengründer Ferry Porsche. Gemeinsam mit Finanzchef Lutz Meschke legte er Rekordzahlen vor – im siebten Jahr infolge. Bestwerte bei Auslieferungen, Umsatz und Ergebnis.

Vor allem bei der Profitabilität fährt Porsche allen Konkurrenten davon. Das operative Ergebnis legte um 7 Prozent auf 4,1 Mrd. € (plus 7 Prozent). Das entspricht einer Umsatzrendite von 17,6 Prozent. Der Gewinn 2017 erhöhte sich um 19 Prozent auf 3,1 Mrd. €. Teilt man diesen durch den Absatz, ergibt sich ein Gewinn pro Fahrzeug von  12 700 €.

2,2 Milliarden Euro in der Kasse

Porsche besitzt eine Nettoliquidität von 2,2 Mrd. €. Die wirtschaftliche Stärke will Vorstands­chef Blume nutzen, um ein „nie dagewesenes Zukunftspaket“ zu stemmen. Neben den Investitionen ins Sportwagengeschäft steckt die VW-Tochter bis zum Jahr 2022 rund 6 Mrd. € in die E-Mobilität. Vor diesem Hintergrund steht auch der Einstieg in die Formel E, eine Meisterschaft für Rennwagen mit Elektromotor. „Rennsport ist für uns schon immer dazu da, bessere Autos für die Straße zu entwickeln. Genauso geht es bei der Formel E, das ultimative Testlabor für unsere Elektrifizierungsstrategie“, begründet Blume diesen Schritt.

Große Hoffnungen setzt Porsche auf die bereits in Genf vorgestellten Modelle: den Supersportwagen GT3 sowie der Mission E Cross Turismo. Letzterer ist eine Mischung aus Kombi, Sport- und Geländewagen, der in Zuffenhausen produziert und 2019 auf den Markt kommen soll: Beschleunigung von null auf Tempo 100 in dreieinhalb Sekunden, Reichweite 500 Kilometer. „Die Ladezeit für 100 Kilometer beträgt vier Minuten“, sagt Blume. Nachhaltigkeit spiele nicht nur bei dem vollelektrischen Fahrzeug eine Rolle, auch die Produktion soll emissionsfrei sein.

Fürs nächste Jahrzehnt setzen die Zuffenhausener auf rein elektrische Sportwagen sowie auf Plug-in-Hybride, also Fahrzeuge, die sowohl über ihren Verbrennungsmotor, als auch am Stromnetz aufgeladen werden können. Auch der klassische Verbrennungsmotor bleibt im Angebot. „Die Weltregionen entwickeln sich sehr unterschiedlich“, erläutert der Vorstandschef diese Ausrichtung.

Das Thema Diesel spielt bei Porsche traditionell keine große Rolle. Entsprechende Motoren kommen vom Schwesterunternehmen Audi. 2017 hatte Porsche europaweit 21 500 Exemplare des Geländewagens Cayenne wegen einer unzulässigen Abschalteinrichtung der Abgasreinigung zurückrufen müssen. In Deutschland seien mittlerweile mehr als die Hälfte der 6000 betroffenen Fahrzeuge nachgerüstet.

In Zukunft will sich der Sportwagenbauer zusätzliche Erlösquellen jenseits des Stammgeschäfts erschließen. „Wir wollen Porsche zum führenden Anbieter für digitale Mobilitätslösungen im automobilen Premium-Segment entwickeln“, sagte Meschke. Dazu hole sich Porsche junge Start-ups und kreative Köpfe zur Seite, die visionär denken und die Welt mit völlig neuen Ideen verändern wollen.

China ist der wichtigste Einzelmarkt

Die VW-Tochter Porsche hat den Umsatz 2017 um 5 Prozent auf 23,5 Mrd. € gesteigert. Der Absatz legte um 4 Prozent auf 246 375 zu. Wichtigster Markt ist China mit 71 500 Fahrzeugen (plus 10 Prozent). In Deutschland setzte Porsche 28 300 Autos ab (minus 3 Prozent). Meistverkauftes Modell ist der Macan (97 000), gefolgt von dem 911er (32 000) und dem Panamera (28 000, plus 83 Prozent). Die Zahl der Mitarbeiter hat sich seit 2012 auf 29 800 fast verdoppelt. amb