Frankfurt Milliarden aus Deutschland für Atomwaffen?

Frankfurt / ROLF OBERTREIS 08.11.2014
Deutsche Banken im Zwielicht: Eine Studie zählt sie zu den Geldgebern von Atomwaffenherstellern. Deutsche Bank und Commerzbank dementieren.

Auch deutsche Banken und Versicherungskonzerne gehören nach wie vor zu wichtigen Geldgebern von Atomwaffenherstellern. Die dritte Studie "Don't Bank On The Bomb" der internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN), zu der die deutschen Organisationen Urgewald und Facing Finance gehören, listet zehn deutsche Banken und Versicherungen auf, an der Spitze die Deutsche Bank, die Commerzbank und die Allianz. Genannt werden auch mehrere Landesbanken und die staatliche Förderbank KfW. Alle hätten zwischen 2011 und 2014 weltweit 20 Hersteller von Nukleartechnologie mit insgesamt rund 7,2 Mrd. EUR in Form von Aktien, Anleihen und Krediten unterstützt. Speziell für die Herstellung von Atomwaffen waren es demnach aber nur gut 1,9 Mrd. EUR.

Anders als bei Streumunition und Landminen seien die Institute nicht bereit, sich von einschlägigen Kunden zu verabschieden, klagt Barbara Hoppe von Urgewald. Deutsche Bank und Commerzbank weisen die Vorwürfe zurück.

Als "einsamen Spitzenreiter" identifiziert die Studie die Deutsche Bank, die 14 Atomwaffenhersteller bei ihren militärischen Aktivitäten zwischen mit 1,35 Mrd. EUR unterstützt habe. Zu den Hauptkunden bei diesen heiklen Geschäften zählten Thyssen-Krupp, BAE Systems, die Airbus Group, Honeywell International und Raytheon. "Die Deutsche Bank selbst verfügt zwar über eine interne Rüstungsrichtlinie, die die Finanzierung von direkten Transaktionen im Zusammenhang mit kontroversen Waffen wie Atomwaffen untersagt. Das hindert sie jedoch nicht daran, Rüstungs- Mischkonzerne weiter zu finanzieren", sagt Happe.

Ein Sprecher der Bank weist dies zurück. Seit Jahren seien Geschäfte mit atomaren, biologischen und chemischen Waffen "ausgeschlossen". Verteidigung stufe die Bank als "kritischen" Sektor ein, in dem sehr genau geprüft und die Meinung der bankinternen Nachhaltigkeits-Experten eingeholt werde.