Köln/München Milder Winter lässt Textilhandel frösteln

SWP 07.01.2012
Das vergangene Jahr hatte für die Textilhändler gut begonnen. Aber dann machte das Wetter ihnen einen Strich durch die Rechnung.

Milde Temperaturen und wenig Schnee: Der ungewöhnlich warme Winter hat den Bekleidungs- und Sporthändlern das Geschäft vermiest. Für dicke Wintersachen war es den Kunden zu warm, und mit Schlitten, Skiern oder Snowboards konnten sie bislang auch nicht viel anfangen. Stattdessen waren im Dezember Laufschuhe der bestverkaufte Artikel in den Läden des größten deutschen Sporthändlerverbunds Intersport.

Für das Gesamtjahr 2011 erwarte Intersport vor allem wegen des schwachen Wintergeschäfts einen Rückgang der Erlöse um mehr als 200 Mio. EUR auf 2,7 Mrd. EUR, sagte Sprecher Roland Scheuermeyer. Der Münchner Sporthändler Sportscheck verkaufte ebenfalls weniger Wintersport-Kleidung, sagte ein Sprecher der Kette.

Auch der Bekleidungshandel sieht seine Erwartungen nicht erfüllt. "Wir hatten ein sehr gutes erstes Halbjahr mit Umsatzzuwächsen zwischen drei und vier Prozent", sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands des Deutschen Textilhandels (BTE), Jürgen Dax. "Aber ab Herbst bekamen wir Probleme, weil die warme Winterware liegen blieb." Unter dem Strich werde für 2011 ein Umsatzplus von höchstens 1,5 Prozent stehen, das im Wesentlichen auf den Online-Handel zurückzuführen sei. Der Online-Handel hat einen Marktanteil von etwa 10 bis 12 Prozent.

Im Dezember hätten viele Händler bereits mit Reduzierungen begonnen, um die Winterware los zu werden. Drastisch purzelnde Preise erwartet er aber erst in der zweiten Januarhälfte, wenn der Winterschlussverkauf näher rückt. "Die Geschäftsleute haben die Hoffnung auf kältere Temperaturen noch nicht ganz aufgegeben", meinte Dax.

Der gesamte bundesdeutsche Einzelhandel feiert derweil sein größtes Jahres-Umsatzplus nach der Wiedervereinigung. Das liegt an der guten Verbraucherstimmung und den niedrigen Arbeitslosenzahlen. Die Branche steigerte ihre Erlöse im vergangenen Jahr um 2,8 Prozent: Was in anderen Branchen Alltag ist, ist im wenig erfolgsverwöhnten Einzelhandel ein Rekord.

Da die Verbraucherpreise gleichzeitig anzogen, dürfte der Umsatz real aber nur etwa 1,2 Prozent über dem Vorjahreswert liegen. Dieser inflationsbereinigte Wert war zuletzt vor elf Jahren mit real 2,0 Prozent übertroffen worden. dpa