Ulm Mietwagen-Firmen tricksen

Vollgetankt übernehmen und leer zurückgeben kann teuer sein. Archivfoto
Vollgetankt übernehmen und leer zurückgeben kann teuer sein. Archivfoto
ARNE BENSIEK 11.07.2012
Mietwagenfirmen in Südeuropa und Großbritannien locken mit Tiefpreisen, verstecken dafür aber oft Kosten in der "Full Tank Option". Vor allem Wenigfahrer sollten sie meiden - wenn es geht.

Das übliche Mietwagen-Prozedere hierzulande ist: Der Kunde erhält das Auto voll getankt und gibt es auch voll getankt wieder ab. So muss er nur das Benzin bezahlen, das er auch tatsächlich verbraucht hat. Allerdings muss der Mieter, bevor er das Auto abgibt, Zeit für einen letzten Tankstop einplanen. Und genau da setzen viele Mietwagenfirmen, auch große Namen wie Avis und Europcar, an.

In Italien, Spanien, Griechenland, aber auch in Großbritannien und Irland hat sich mittlerweile die "Full Tank Option" als Standard durchgesetzt. Der Kunde bekommt seinen Mietwagen wie bisher vollgetankt ausgehändigt, soll ihn aber leer abgeben. Das Geld für die erste Tankfüllung verlangen die Verleiher in der Regel, bevor der Kunde sich ans Steuer setzt.

In den Geschäftsbedingungen der Verleihfirmen steht zwar, für diese erste Tankfüllung werde der aktuelle Literpreis herangezogen. Tatsächlich berechnet zum Beispiel Avis auf Zypern einen Literpreis von 1,71 EUR - 40 Cent mehr als auf dem Markt. Doch solche Feinheiten gehen in der Urlaubseuphorie und im Papierkram der Übergabe schnell unter. Wer den Nepp erst später bemerkt, sollte sich beim Anbieter beschweren, am besten durch Vorlage einer Tankquittung.

Beim ADAC haben sich viele Autofahrer gemeldet, die von einer verdeckten Abzocke sprechen. "Die Full Tank Option ist sicher die, bei der man das Kleingedruckte am besten studieren sollte", sagt ADAC-Sprecher Klaus Reindl. "Viele Kunden übersehen das", berichtet Frieder Bechtel vom Produktvergleichsportal billiger-mietwagen.de.

Es gebe aber noch offensichtlicheren Wucher: Anbieter, die nicht beim Benzinpreis tricksten, erheben stattdessen gerne eine zusätzliche Servicegebühr für das Auftanken nach Rückgabe des Mietwagens - 30 EUR nehmen manche dafür. Bechtel: "Gerade bei den günstigsten Angeboten, die online gebucht werden müssen, hat der Kunde oft keine Wahl und bekommt eine Full Tank Option vorgeschrieben."

Problematisch ist das Prozedere, das auch mal "Fuel Service Option" oder "Full-to-empty" heißen kann, erst recht für Kurzurlauber. Viele von ihnen fahren den vollen Tank gar nicht leer. Wer aber einen halb vollen Tank abgibt, bekommt das Geld für das Restbenzin nicht erstattet.

So steht es ebenfalls im Kleingedruckten. Wer über die Tankoption nicht explizit informiert wurde und das Auto aus Gewohnheit vor der Rückgabe volltankt, braucht nicht auf Kulanz zu hoffen. "Nach Abschluss der Full Tank Option akzeptiert der Mieter diese Bedingung", sagt eine Sprecherin von Europcar Deutschland. Nicht einen Cent sieht der Mieter also wieder.

"Wir distanzieren uns von solchen Praktiken", betont Klaus Spurgat von der Berliner Mietwagenfirma Lex. Der Trend hin zur neuen Tankoption sei der Auswuchs des Preiskampfes in der Branche. "Da wird mit niedrigen Preisen gelockt und das Geld an anderen Stellen wieder hereingeholt."