Frankfurt Mieten steigen weiter

Der Maklerverband IVD kritisiert die Mietpreisbremse von Justizminister Heiko Maas.
Der Maklerverband IVD kritisiert die Mietpreisbremse von Justizminister Heiko Maas. © Foto: dpa
Frankfurt / OTR 14.11.2014
Wohnen wird vor allem in Großstädten weiterhin teuerer. Insgesamt lässt der Preisschub aber nach, sagt der Makler-Verband IVD. Mit einem Kommentar von Robert Obertreis

Die Mieten in Deutschland steigen nach jüngsten Erhebungen des Makler- und Hausverwalterverbandes IVD nur noch verhalten. Im Durchschnitt von 390 analysierten Städten ergebe sich für 2014 im Vergleich zum Vorjahr ein Plus von 2,1 Prozent bei einer Inflationsrate von 0,8 Prozent. In Großstädten wie Frankfurt, Düsseldorf oder Dresden stagnierten die Mieten im Vergleich zu 2013, sagt Jürgen Michael Schick, Vize-Präsident des IVD. Selbst in München, Deutschlands insgesamt teuerster Stadt, gehe es um nicht einmal um 1 Prozent nach oben. Überdurchschnittlich ist die Entwicklung aber unter anderem in Berlin (plus 5,7 Prozent) und in Stuttgart (plus 5 Prozent).

Aufgrund der verhaltenen Entwicklung gibt es nach Ansicht von Schick keinen Grund für die Einführung einer Mietpreisbremse. "Der Markt funktioniert auch ohne Eingriffe des Gesetzgebers", kritisierte er die Pläne von Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD).

Anders ist die Lage bei Wohneigentum. In Großstädten sind die Preise für Eigentumswohnungen in diesem Jahr zwar schwächer gestiegen als 2013. Mit 4,5 nach 5,3 Prozent im Vorjahr ist das Plus aber immer noch deutlich. Am stärksten kletterten die Preise in München, Berlin und Stuttgart. Insgesamt aber lasse die Dynamik bei den Preisaufschlägen nach, sagt Schick. Das Preisniveau sei immer noch um 10 Prozent niedriger als noch vor 20 Jahren. Nach Ansicht des IVD-Vertreters sind die Mieten allenfalls in Einzelfällen im Vorgriff auf eine Mietpreisbremse bereits angehoben worden. Der aktuellen Studie des IVD zufolge hat sich die Entwicklung der Preise bei Neuvermietungen generell erkennbar beruhigt. Zudem lägen sie inflationsbereinigt immer noch unter dem Niveau von vor 20 Jahren.

Aktuell liegt die Nettokaltmiete für nach 1949 gebaute Wohnungen, so die Studie, im Bundesschnitt bei 5,78 EUR pro Quadratmeter. An der Spitze steht dabei nach wie vor München mit 12 EUR, in Stuttgart sind es 10,50 EUR, in Frankfurt und Köln je 8,80 EUR. In Berlin wurden zuletzt im Schnitt 7,45 EUR verlangt. Deutlich teurer geworden sind Neubau-Wohnungen. Hier zeigt sich bei den größten Städten ein Plus von 4,8 Prozent auf 10,09 EUR. In München reicht die Miete je nach Standard von 14 bis 21 EUR, in Stuttgart sind es bis zu 14,60 EUR, in Berlin 10,75 EUR.

Ein Kommentar von Rolf Obertreis: Einfache Rezepte gibt es nicht

Wohnen kann teuer sein und es kann sich immer weiter verteuern. Freilich: Pauschale Urteile verbieten sich, Durchschnittswerte sind immer mit Fragezeichen zu versehen. Wen es nach München oder Stuttgart drängt, der muss wissen, dass er bei der Miete deutlich mehr zahlen muss als im Westen oder Norden der Republik. Und wer vom Land in die Stadt zieht, dem sollte klar sein, dass er dort mehr auf den Tisch legen muss. Ähnliches gilt für Wohneigentum. Wer dann noch Wert auf Luxus legt, muss noch mehr in der Hinterhand haben. Unter diesen Vorzeichen hat sich der Anstieg der Preise fürs Wohnen in diesem Jahr im Schnitt vergleichsweise moderat entwickelt.

Natürlich sind Zuwachsraten von 2,1 Prozent bei Neuvermietungen und 4,5 Prozent bei Eigentumswohnungen immer noch ansehnlich. Aber es geht langsamer nach oben. Das ist ein gutes Signal. Und ein neues Vorzeichen für die Debatte über eine gesetzliche Mietpreisbremse. Bremsspuren bei den Preisen sind schon jetzt erkennbar. Muss der Gesetzgeber da noch mehr tun? Die Antwort ist alles andere als einfach. Günstigen, bezahlbaren Wohnraum muss es geben, die Wege dahin sind freilich vielfältig. Einfache Rezepte gibt es nicht. Der Zuzug in die Ballungszentren und Großstädte hält an. Solange es nicht um sozialen Wohnungsbau geht, kann niemand einem Investor verwehren, dass er Geld verdienen will.