Schwarzes Jackett, graues T-Shirt, blasses Gesicht: So trat Meike Schlecker (38) gestern vor die Presse. Sie nahm stellvertretend für die Unternehmerfamilie Schlecker teil, deren Drogeriemarktkette Insolvenz angemeldet hat. Wenn sie sprach, tat sie das mit fester Stimme. Nicht nur, als sie versicherte, ihre Familie stehe weiterhin hinter dem Unternehmen und dem Restrukturierungsplan. Sondern auch, als es um ihren Vater Anton Schlecker ging: "Mein Vater hat das Unternehmen aufgebaut, es groß gemacht, die ganzen Arbeitsplätze geschaffen und er steht mit seinem ganzen Vermögen für das Unternehmen ein."

Sie ließ auch nicht gelten, sie und ihr Bruder Lars (40) seien im November 2010 als reine Sympathieträger ins Rennen geschickt worden. "Wir sind kein Feigenblatt", stellte sie klar. Gemeinsam mit ihren Eltern hätten die Geschwister das Programm "Fit for future" entwickelt, das vor allem auf eine Modernisierung der Filialen setzt. Es habe sich auch bewährt. "Es ist wirklich bitter, dass wir so kurz vor dem Ziel gestoppt wurden", sagte sie mit Blick auf den geplatzten Lieferantenkredit.

Sie räumte aber auch ein, dass das Unternehmen in den vergangenen Jahren Fehler gemacht habe, unter anderem eine schlechte Öffentlichkeitsarbeit, aber kein guter Umgang mit den Mitarbeitern. Letzteres aber habe sich verbessert. Inzwischen lobe sogar die Gewerkschaft Verdi das Unternehmen, zumal Schlecker als einzige der Branche den Einzelhandelstarifvertrag übernommen habe. Nach den Negativschlagzeilen, die Schlecker mit seiner Zeitarbeitsfirma Meniar gemacht habe, verzichte man nun ganz auf Leiharbeit. Deshalb "wundern wir uns auch, weshalb wir noch immer ein so schlechtes Image haben".

Sie und ihr Bruder Lars sollen nach dem Willen Anton Schleckers das Unternehmen weiter führen, sofern das die Gläubiger zulassen. Die beiden Betriebswirte sind seit gut zehn Jahren im Unternehmen. In der Öffentlichkeit stehen sie aber erst seit Ende 2010. Die Familie versuche Meike Schlecker zufolge zurzeit vor allem eines: einen kühlen Kopf zu bewahren.