Genf/Dhaka Mehr Sicherheit versprochen

Genf/Dhaka / SWP 17.05.2013
Die Gewerkschaften sprechen von einem "Wendepunkt": Nach dem Fabrikeinsturz in Bangladesch haben sich Konzerne verbindlich zum besseren Schutz von Textilarbeitern in dem Land verpflichtet.

Drei Wochen nach dem Einsturz eines Fabrikgebäudes in Bangladesch ist ein Abkommen von 31 Handelskonzernen für mehr Sicherheit in den Textilfabriken des Landes in Kraft getreten. "Dies ist ein Wendepunkt", erklärte der internationale Gewerkschaftsdachverband UNI Global Union gestern in Genf. "Die Umsetzung beginnt jetzt." Die Vereinbarung soll Millionen Arbeiter in den Produktionsstätten besser schützen. Damit reagieren die Unternehmen auf Forderungen der Gewerkschaften nach dem Einsturz eines Fabrikgebäudes in Dhaka mit mehr als 1100 Toten.

Das bisher nur für Bangladesch geltende Abkommen für besseren Arbeitsschutz soll nach dem Willen von Gewerkschaften auf andere Länder erweitert werden. Dazu seien die Arbeitnehmervertreter auch angesichts der jüngsten Nachrichten über einen Dacheinsturz auf einem Fabrikgelände in Kambodscha entschlossen, teilten die Gewerkschaftsdachverbände mit. Dabei kamen zwei Menschen ums Leben. Sieben wurden verletzt, zwei lebensgefährlich, sagte Dave Welsh von der US-Organisation ACILS, die sich für bessere Arbeitsbedingungen in Fabriken einsetzt.

Im Bangladesch-Abkommen verpflichten sich die Textilkonzerne, den Brandschutz und die Gebäudesicherheit in den Fabriken zu erhöhen. Insgesamt sind in das Abkommen mehr als 1000 Zulieferbetriebe und Zwischenhändler und damit ein großer Teil der rund 4 Mio. Textilarbeiter in Bangladesch eingebunden. Unter dem Eindruck der Katastrophe schlossen sich innerhalb weniger Tage die meisten der großen Handelsketten - darunter H&M, C&A, Tschibo, Otto, Primark, Aldi, Zara, Benetton und Abercrombie & Fitch - der Vereinbarung an.

Die Kampagne für Saubere Kleidung (CCC) kritisierte, auch deutsche Unternehmen hätten das Abkommen nicht unterzeichnet. Gisela Burckhardt von der CCC sagte, die jüngste Katastrophe in Bangladesch habe gezeigt, "dass bisherige Kontrollen die Probleme mehr vertuschen als offenlegen".

Für Kambodschas Gewerkschaften ist klar: der Einsturz einer Fabrikdecke war nur eine Frage der Zeit. "Baulizenzen, Betriebslizenzen - wenn das Schmiergeld stimmt, bekommt das jeder", sagt die Generalsekretärin der Gewerkschaft FTUWKC, Sokny Say. "Dieses Land ist korrupt bis auf die Knochen." Schlampig gebaute Gebäude, mangelnde Sicherheitsstandards, schlechte Bezahlung - viele der Arbeiter und Arbeiterinnen können ein Lied davon singen.

Dass Schuhe und Textilen für Kunden in Deutschland und den Rest der Welt in Ländern mit niedrigen Lebenshaltungskosten und Löhnen genäht werden, ist theoretisch eine "Win-Win-Situation": in den armen Ländern gibt es Arbeitsplätze, in den reichen sind Kleidung und Schuhe billig. Was aber ist ein fairer Preis? 9 EUR für ein paar Turnschuhe? 3 EUR für ein T-Shirt?

Fabrikbesitzer in Asien begründen knappe Löhne und schlechte Ausstattungen mit Preisdruck. Die Einkäufer aus dem Westen wollten keinen Cent mehr bezahlen. Eher drohten sie mit Abwanderung in ein billigeres Produktionsland. Die Einkäufer wie C&A wiederum sagen, dass die Verbraucher im Westen keine höhere Preise akzeptieren.

"Die Ära der Billigwaren ist bald vorbei", sagt Jill Tucker von der Initiative der Internationalen Arbeitsorganisation voraus. Verbraucher seien diejenigen, die am meisten für die Arbeiter in Asien tun könnten: "Wer in Deutschland einen Schuh kauft, sollte auf den Hersteller schauen und sich erkundigen, ob der für faire Arbeitskonditionen eintritt", sagt sie. Im armen Kambodscha sind die 600 Textil- und Schuhfabriken zusammen größter Arbeitgeber und Devisenbringer. Etwa zwei Drittel produzieren für den Export, die anderen liefern zu.

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