Altersvorsorge  Mehr Beschäftigte sollen eine Betriebsrente bekommen

Nach vielen Kontroversen hat sich die große Koalition auf eine Reform der Betriebsrente geeinigt. Ob die im Sinne der Arbeitnehmer ist, wird sich zeigen.
Nach vielen Kontroversen hat sich die große Koalition auf eine Reform der Betriebsrente geeinigt. Ob die im Sinne der Arbeitnehmer ist, wird sich zeigen. © Foto: dpa
Berlin / afp, dpa 26.05.2017

Auf Reform geeinigt

Das Vorhaben ist ehrgeizig: Mehr Beschäftigte als bisher sollen eine Betriebsrente bekommen. CDU, CSU und SPD haben sich auf letzte zentrale Details einer Reform der betrieblichen Altersvorsorge geeinigt. Der Bundestag soll dem Gesetzentwurf bereits am 1. Juni zustimmen.

Was bringt die Reform Arbeitnehmern?Weniger als 60 Prozent der Beschäftigten haben eine betriebliche Altersvorsorge. Vor allem Geringverdiener und Mitarbeiter kleinerer Unternehmen stehen häufiger ohne das Zusatzplus im Alter da. Das will die Bundesregierung ändern. Der Staat soll Betriebsrenten bei kleineren Einkommen stärker fördern. Die Tarifvertragspartner sollen die betriebliche Altersversorgung künftig ganzen Belegschaften anbieten.

Der Kern des neuen Modells: Arbeitgeber und Arbeitnehmer sollen in Tarifverträgen vereinbaren können, dass nur noch Beiträge zugesagt werden. Die Haftung der Unternehmen für Betriebsrenten entfällt dann. So könnten höhere Renditen erzielt werden.

Was ist eine betriebliche Altersvorsorge? Klassischerweise ist die betriebliche Altersvorsorge eine freiwillige Leistung des Arbeitgebers. Heute werden Betriebsrenten aber oft auch nur vom Arbeitnehmer finanziert. Dabei handelt es sich dann um die sogenannte Entgeltumwandlung. Zudem gibt es Mischformen, an denen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer beteiligen.

Wer hat Anspruch darauf? Seit 2002 hat jeder Arbeitnehmer einen gesetzlichen Anspruch auf betriebliche Altersversorgung durch Entgeltumwandlung. Damit kann er Teile des Gehalts oder Sonderzahlungen wie etwa Weihnachts- oder Urlaubsgeld in Beiträge zu einer betrieblichen Altersversorgung umwandeln und sich so eine Zusatzrente aufbauen. Der Anspruch besteht für alle in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversicherten Arbeitnehmer.

Wie funktioniert die Entgeltumwandlung? Einfach ausgedrückt wandelt der Arbeitnehmer einen Teil seines Bruttolohns oder seiner Sonderzahlungen in eine Rentenversicherung um. Im Gegensatz zur privaten Altersvorsorge zahlt der Arbeitnehmer seine Beiträge nicht selbst ein, sondern überlässt dies seinem Chef. Dieser entscheidet über die Art der Anlage. Er kann die Beträge intern anlegen oder extern beispielsweise an eine Direktversicherung oder einen Pensionsfonds geben.

Was sind die Vorteile der Entgeltumwandlung? Arbeitnehmer sparen dadurch Steuern und Sozialabgaben. Sie müssen die Beiträge nicht aus dem bereits versteuerten Netto-Einkommen aufbringen; diese gehen vielmehr von ihrem Bruttogehalt ab. Damit finanziert der Staat die Altersvorsorge mit. Bei einem Betrag von 100 € zahlt der Arbeitnehmer grob gerechnet netto rund 60 €, der Rest kommt vom Staat. Auch Arbeitgeber profitieren von der Betriebsvorsorge und sparen in vielen Fällen Lohnnebenkosten.

In manchen Fällen zahlen sie die eingesparten Lohnnebenkosten zusätzlich in die Betriebsrente für den Arbeitnehmer ein. Laut dem Online-Verbrauchermagazin „Finanztip“ lohnt sich die betriebliche Vorsorge für fast alle Angestellten, sofern auch das Unternehmen etwas einzahlt.

Was sind die Nachteile der Entgeltumwandlung? Durch das niedrigere Bruttogehalt zahlt der Arbeitnehmer weniger Steuern und auch weniger Sozialabgaben an den Staat. Folglich sinken auch die Ansprüche an die gesetzliche Rentenversicherung. Jeder Arbeitnehmer sollte errechnen, ob er die Einbußen durch die betriebliche Rente später wieder ausgleichen kann. Zwar müssen die Einzahlungen für die betriebliche Rente im Erwerbsleben nicht versteuert werden, im Rentenalter aber schon.

Auf die Betriebsrente muss später zudem der volle Beitrag zur Kranken- und Pflegeversicherung gezahlt werden. Ohne Zuschuss vom Arbeitgeber lohnt sich diese Form der Vorsorge laut „Finanztip“ lediglich für kinderlose Arbeitnehmer mit vergleichsweise geringem Einkommen.

Wer Kinder habe oder mehr als 49.500 € verdiene, dem bringe die betriebliche Vorsorge ohne Zuschuss nichts, berechnete das Magazin im Sommer 2015.

Ist das Geld auch sicher?

Ja. Auch im Insolvenzfall des Arbeitgebers ist zumindest das eingezahlte Geld sicher. Im Gegensatz zu anderen Vorsorgeformen kann die Betriebsrente in der Regel aber nicht ausgezahlt werden, bevor der Arbeitnehmer das Rentenalter erreicht. Ausnahmen gibt es bei sehr geringen Ansprüchen. afp