Beruf Mehr als Dienst nach Vorschrift

Mit der ganzen Arbeitskraft dem Staat zur Verfügung stehen: Je nach Ausbildung und Laufbahn im öffentlichen Dienst gibt es verschiedene Berufe.
Mit der ganzen Arbeitskraft dem Staat zur Verfügung stehen: Je nach Ausbildung und Laufbahn im öffentlichen Dienst gibt es verschiedene Berufe. © Foto: dpa
swp 05.01.2018

Über Beamte kursieren viele Vorurteile: Faul seien sie, träge, nur auf Dienst nach Vorschrift und einen pünktlichen Feierabend bedacht. Dabei gibt es „den Beamten“ überhaupt nicht,  dafür ist der Status des Staatsdieners viel zu facettenreich.

Ende Juni 2016 waren in Deutschland 1 672 415 Beamte beschäftigt. Diese Zahl nennt das Statistische Bundesamt. Mit 1 274 920 Beamten arbeiteten die meisten Staatsdiener bei den Ländern. 186 335 Beamte waren zu jenem Zeitpunkt bei den Kommunen tätig, 179 915 beim Bund und 31 240 Beamte in der Sozialversicherung. „In den Zahlen für Bund und Länder sind auch die insgesamt rund 30 000 Richter enthalten“, sagt Nils Kammradt, Bundesbeamtensekretär bei der Gewerkschaft Verdi in Berlin. Weitere rund 100 000 Beamte sind bei der Post, Postbank und bei der Telekom tätig.

 Beamtin oder Beamter zu sein ist kein Beruf, sondern ein Berufsstatus, den man aufgrund seiner Qualifikation und teilweise nach einem Vorbereitungsdienst in der Verwaltung inne hat. So gibt es je nach Ausbildung und Laufbahn im öffentlichen Dienst verschiedene Berufe: bei der Polizei, dem Zoll, in den Schulen, bei der Feuerwehr und in den Ministerien. Daneben existieren auch technische Berufe für Ingenieure, Meteorologen oder Seeleute.

 Den Beamten unterscheidet von anderen Beschäftigten zum Beispiel die Bezahlung. Anders als bei Angestellten sind die Bezüge der Beamten kein Entgelt für einzelne geleistete Arbeiten. Vielmehr sind sie die Gegenleistung dafür, dass sie sich „mit ihrer ganzen Arbeitskraft dem Staat zur Verfügung stellen und ihre Dienstpflichten nach Kräften und treu erfüllen“, sagt ein Sprecherdes Bundesinnenministeriums. Beamte werden für diesen Einsatz vom Arbeitgeber, ihrem Dienstherrn, alimentiert.

Nach diesem Prinzip ist der Dienstherr verpflichtet, Beamten einen angemessenen Lebensstandard zu gewähren, auch bei Invalidität und im Alter. Mit der Besoldung soll sichergestellt werden, dass Beamte wirtschaftlich unabhängig sind und sich ganz ihrem Beruf widmen können. Hinzu kommt eine Alterssicherung. Im Krankheitsfall erhalten Beamte die sogenannte Beihilfe. Damit sind Beamte nicht pflichtversichert, sondern Mitglied einer privaten Krankenkasse.

 „Beamte sind unkündbar“, so das gängige Vorurteil. Und auf den ersten Blick stimmt das tatsächlich: „Hauptvorteil ist sicher die Verbeamtung auf Lebenszeit und damit eine gesicherte Position“, erklärt Cornelia Krüger von der Dachgewerkschaft dbb beamtenbund und tarifunion. Aber: „Auch Beamte können aus dem Dienstverhältnis entlassen werden“, erklärt Krüger. Das ist etwa der Fall, wenn sie von einem Gericht zu einer Haftstrafe verurteilt werden.

 Der Dienstherr muss nicht mit einem Tarifpartner verhandeln, wenn es um die Bezüge der Beamten geht, er ordnet sie einfach an. Dadurch konnten nach Verdi-Angaben zum Beispiel in den 2000er Jahren das Weihnachts- und das Urlaubsgeld für Beamte verringert oder abgeschafft, die Besoldungstabellen für den Dienstherrn günstiger gestaltet oder die Arbeitszeit der Tarifbeschäftigten im Bund von 39 auf 41 Stunden heraufgesetzt werden.

 Die Beamtenlaufbahn steht grundsätzlich nicht nur deutschen Staatsbürgern offen. Auch Bürger anderer EU-Länder können in Deutschland in den Staatsdienst gehen, hinzu kommen Ausländer aus der Schweiz, Liechtenstein und Norwegen. Die Einstellung erfolgt, wie in anderen Berufen auch, nach dem Grundsatz der Eignung, Befähigung und fachlichen Leistung. „Hinzu kommt noch ein Auszug aus dem Bundeszentralregister“, sagt Krüger. Dort dürfen keine Straftaten eingetragen sein.

Viele Fachkräfte fehlen

 Vor der Verbeamtung müssen sich Anwärter von einem Betriebs- oder Amtsarzt untersuchen lassen. Jemand gilt als gesundheitlich nicht geeignet, wenn nach der Untersuchung davon auszugehen ist, dass er oder sie noch vor dem Ruhestand dienstunfähig wird oder mit großer Wahrscheinlichkeit über Jahre hinweg mit regelmäßigen Krankheitszeiten zu rechnen ist.

 Dem öffentlichen Dienst in Deutschland fehlen über 100 000 Fachkräfte, und mehr als 700 000 werden in den kommenden Jahren altersbedingt ausscheiden. „Insofern ist die Leistungsfähigkeit des öffentlichen Dienstes bedroht“, erklärt Krüger. Deshalb hat der dbb als Dachverband der Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes bereits 2013 eine Werbekampagne gestartet, mit der er gezielt um Nachwuchs wirbt.