Stuttgart Maschinenbau trotzt Krise

Stuttgart / KAREN EMLER 13.07.2012
Die Maschinenbauer im Land erwarten 2012 erneut einen Umsatz auf Rekordniveau. Auch mit der Ertragslage sind die meisten zufrieden. Sie investieren weiter, viele bauen zusätzliche Arbeitsplätze auf.

Allen Turbulenzen im Euroraum und der weltweiten Abkühlung der Konjunktur zum Trotz gilt weiterhin für die Maschinenbauer im Südwesten: "Von schlechter Stimmung kann keine Rede sein." So hat Christine Kienhöfer, die stellvertretende Vorsitzende des Landesbranchenverbands VDMA, gestern vor der Presse in Stuttgart die Lage in der baden-württembergischen Schlüsselindustrie beschrieben.

Die aktuelle Konjunkturumfrage, deren Ergebnis für 371 Unternehmen mit 225 000 Beschäftigten und damit für fast 80 Prozent des Maschinenbaus im Land steht, ist von Zuversicht geprägt. Für das laufende Jahr erwartet die Branche ein Umsatzzuwachs von 5 Prozent. Damit wäre mit 68 Mrd. EUR ein Rekord bei den Erlösen erreicht. Und auch für das kommende Jahr zeigt der Daumen bisher nach oben, da rechnen immerhin noch fast drei Viertel der Betriebe mit einem Plus, von bis zu 12 Prozent ist zum Teil die Rede.

"Die Ertragslage ist weiterhin ordentlich", berichtete Kienhöfer. 43 Prozent der befragten Betriebe sprechen von einer guten oder sogar sehr guten Situation. "Das heißt eine Nettorendite von mehr als 6 Prozent." Nur 3 Prozent - und damit so viel wie im Vorjahr - erwarten auf das Jahr gerechnet einen Verlust. Die gute Ergebnislage nutzen die Unternehmen dazu, in die Modernisierung ihrer Produktion zu investieren sowie in die Entwicklung neuer Produkte, sagte Kienhöfer.

Die Unternehmen sitzen zur Zeit auf einem Auftragspolster für rund sechs Monate, sagte der baden-württembergische VDMA-Geschäftsführer Ulrich P. Hermani. In den ersten vier Monaten setzten die Unternehmen im Vergleich zum bereits sehr guten Vorjahreszeitraum nochmal preisbereinigt 4 Prozent mehr um. Dafür sank der Auftragseingang im selben Ausmaß. Allerdings habe im Juni das Geschäft wieder angezogen.

Besonders optimistisch sind die Hersteller von Bau- und Baustoffmaschinen, von Werkzeugmaschinen und Präzisionswerkzeugen, sagte Kienhöfer. Der Export ist mit einem Anteil von rund 70 Prozent weiter die treibende Kraft. China bleibt im Fokus, wurde aber in den ersten vier Monaten als Absatzmarkt von den USA auf Platz zwei verdrängt. Frankreich ist das drittwichtiges Abnehmerland für Maschinen aus Baden-Württemberg. Rückläufige Geschäfte verzeichnete die Branche aufgrund der Schuldenkrise und der daraus resultierenden zurückhaltenden Kreditvergabe in Griechenland, Italien, Irland und Portugal. In Spanien gab es dagegen noch ein leichtes Plus.

Die Schuldenkrise im Euroraum beunruhigt die Unternehmen im Land, sagte Kienhöfer. Sie sehen darin die Wachstumsbremse Nummer eins. Der VDMA hofft, dass die Stabilisierung des Bankensektors endlich gelingt. "Dauerhafte Transfers hemmen die Leistungsfähigkeit aller." Dennoch steht für den Verband fest: "Für den Maschinenbau stellt eine Aufgabe des Euro und ein Rückfall in ein Europa der Nationalstaaten keinen gangbaren Weg dar."

Als Wachstumsbremse Nummer zwei gilt in der Branche der Fachkräftemangel, sagte Kienhöfer. Mit Ausbildung über Bedarf, dem Umwerben von Frauen für technische Berufe, besseren Angeboten zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie dem vermehrten Einstellen älterer Arbeitsloser wollen die Unternehmen gegensteuern. Sie setzen zudem auf den Zuzug qualifizierter Arbeitskräfte aus dem Ausland.

In der Umfrage gaben 70 Prozent der Betriebe an, neue Mitarbeiter zu suchen. Gemeldet sind aktuell 3319 freie Arbeitsplätze, darunter 44 Prozent Ingenieur-Jobs und 34 Prozent Facharbeiter-Stellen. Nachdem 2011 rund 10 000 Arbeitsplätze dazugekommen sind, wuchsen die Belegschaften in den ersten Monaten des laufenden Jahres erneut um 2000. Im selben Umfang wollen die Unternehmen bis Ende 2012 nochmals drauf satteln, dann hätte die Branche 295 000 Beschäftigte im Land.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel