London Mario Draghi will den Euro verteidigen

EZB-Präsident Mario Draghi will den Euro mit allen Mitteln verteidigen.
EZB-Präsident Mario Draghi will den Euro mit allen Mitteln verteidigen.
London / DPA 27.07.2012
Die Europäische Zentralbank wird den Euro verteidigen. EZB-Präsident Mario Draghi deutet die Wiederaufnahme massiver Käufe von Staatsanleihen an.

Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), hat die Hoffnung auf ein weiteres Eingreifen der Währungshüter in der Euro-Krise genährt und damit an den Finanzmärken ein Kursfeuerwerk ausgelöst. Der zuletzt massiv unter Druck geratene Eurokurs schnellte in die Höhe. Auch die internationalen Börsen schossen nach oben. Auch die Anleihemärkte der Euro-Krisenländer Spanien und Italien, die zuletzt ein bedrohliches Rendite-Niveau erreicht hatten, entspannten sich.

Draghi bekräftigte in London: "Die EZB wird im Rahmen ihres Mandats alles Notwendige tun, um den Euro zu erhalten." Wörtlich fügte er hinzu: "Und glauben Sie mir - es wird ausreichen." Wichtiger noch als die demonstrative Entschlossenheit werteten Händler Aussagen des EZB-Präsidenten, die auf eine Wiederaufnahme des seit März ruhenden Anleihekaufprogramms der EZB hindeuten.

"Die Notenbank dürfte Draghis Andeutungen nun auch Taten folgen lassen", sagte Thomas Amend, Experte des Bankhauses HSBC Trinkaus. Draghi sagte, sollte der Transmissionsmechanismus für die Wirkung der Geldpolitik durch das hohe Zinsniveau gestört werden, falle dies in den Aufgabenbereich der Notenbank. Mit ähnlichen Formulierungen hatte die EZB bereits früher Eingriffe am Anleihemarkt begründet.

Viele sehen im massiven Kauf von Anleihen durch die Notenbank kurzfristig den einzigen Weg, die hohen Zinsen zu drücken, die Länder wie Spanien oder Italien derzeit am Markt für frisches Kapital bezahlen müssen. Fraglich ist aber, wie dauerhaft die Renditen damit gesenkt werden können. Ein Kritikpunkt ist, dass mit einem solchen Eingriff der EZB der Reformdruck in den Krisenländern sinken könnte.

Ohnehin sind Anleihenkäufe durch die Notenbank wegen der Nähe zur unerlaubten Staatsfinanzierung durch die Notenpresse umstritten.