Paris Lohnnebenkosten bremsen Frankreich Bericht zu Wettbewerbsfähigkeit vorgelegt

Ex-EADS-Chef Louis Gallois berät die französische Regierung in Wirtschaftsfragen.
Ex-EADS-Chef Louis Gallois berät die französische Regierung in Wirtschaftsfragen.
AFP 06.11.2012
Frankreichs Wirtschaft dümpelt vor sich hin. Wie sich das ändern lassen könnte, hat Ex-EADS-Chef Louis Gallois in einem Bericht zusammengefasst.

Mit einer Senkung der Lohnnebenkosten um 30 Mrd. EUR soll Frankreichs Wirtschaft wieder wettbewerbfähiger werden. Das empfiehlt der frühere Chef des europäischen Luftfahrt- und Rüstungskonzerns EADS, Louis Gallois, in einem Bericht zur französischen Wettbewerbsfähigkeit, den er gestern der sozialistischen Regierung übergab. Die Sozialabgaben sollten um 20 Mrd. EUR auf der Arbeitgeber- und um 10 Mrd. EUR auf der Arbeitnehmerseite gesenkt werden, fordert er.

Insgesamt schlägt Gallois 22 Schritte zur Stärkung der französischen Wettbewerbsfähigkeit vor. Neben der massiven Senkung der Lohnnebenkosten wirbt Gallois auch für eine Förderung von Forschung, Innovation und Exporten sowie für einen Abbau bürokratischer Hürden. Nötig sei ein "Sozialpakt", damit eine "industrielle Rückeroberung" möglich sei. Gallois sprach sich für einen "Wettbewerbsschock" aus, dies müsse aber ein "Schock des Vertrauens" sein. Frankreichs Staatschef François Hollande hatte unlängst gesagt, er wolle keinen "Wettbewerbsschock", sondern einen längerfristig angelegten "Wettbewerbspakt".

Die größten französischen Unternehmen haben sich hinter den Vorschlag zu einer massiven Senkung der Lohnnebenkosten gestellt. Finanziert werden soll dies über eine Erhöhung der Mehrwertsteuer und der Sozialsteuer CSG. Die Regierung hat einer deutlichen Erhöhung dieser Steuern bisher aber abgelehnt. Sie will angesichts des Null-Wachstums der französischen Wirtschaft eine weitere Schwächung der Kaufkraft vermeiden.

Frankreichs Wirtschaft gilt im Vergleich zu anderen EU-Ländern wie Deutschland als international wenig wettbewerbsfähig. Als Gründe gelten ein strenges Kündigungsschutzgesetz, die fehlende Ausrichtung der Wirtschaft auf Wachstumsmärkte sowie die Schwäche der kleinen und mittleren Unternehmen genannt. Letztere wirken in Deutschland als Innovationsmotor.