Notenbank alarmiert Lira-Krise heizt Inflation in der Türkei an

Die Lira-Krise treibt die Inflation in der Türkei immer weiter in die Höhe. Foto: Lefteris Pitarakis/AP
Die Lira-Krise treibt die Inflation in der Türkei immer weiter in die Höhe. Foto: Lefteris Pitarakis/AP © Foto: Lefteris Pitarakis
Ankara/Frankfurt / DPA 03.09.2018

Die Lira-Krise lässt die Inflation in der Türkei immer weiter in die Höhe schnellen. Im August seien die Verbraucherpreise im Jahresvergleich um 17,9 Prozent gestiegen, teilte das Statistikamt in Ankara mit.

Das ist die höchste Teuerungsrate seit September 2003 und übertrifft die Befürchtungen von Analysten. Im Juli hatte die Rate noch bei 15,85 Prozent gelegen. Die türkische Notenbank, die in der Krise lange unsichtbar geblieben war, zeigte sich besorgt und kündigte weitere Schritte an.

Seit Monaten ist die türkische Landeswährung Lira stark unter Druck, was die Inflation nach oben treibt, weil importierte Waren teurer werden. Im August kam es zu einem besonders rasanten Absturz der Währung auf neue Rekordtiefs zum Euro und Dollar. Ein Euro war zwischenzeitlich mehr als 8 Lira wert, zum Jahresbeginn waren es noch 4,5 Lira. Eine nachhaltige Erholung gab es bislang nicht.

Am Montag stand die Lira nicht weit entfernt von diesen Tiefständen. Sie wurde aber durch die Ankündigung der Notenbank, tätig zu werden, zum Euro und Dollar etwas gestützt. „Jüngste Entwicklungen bezüglich der Inflationsaussichten weisen auf deutliche Risiken für die Preisstabilität hin“, teilte die Notenbank kurz nach der Veröffentlichung der Inflationszahlen mit. Man werde die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um die Preisstabilität zu gewährleisten. Die nächste Sitzung zur Geldpolitik ist für den 13. September angesetzt.

Ob das bedeutet, dass die Bank die Leitzinsen erhöhen wird, blieb unklar. Sie hatte monatelang gezögert, weil Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan Zinsen entgegen der gängigen Wirtschaftslehre nicht als Instrument gegen Inflation sieht, sondern als einen Treiber betrachtet. Bisherige Reaktionen der Zentralbank nannten Experten zu zaghaft. Sie hat unter anderem die Reserve-Anforderungen an bestimmte Währungsgeschäfte angehoben und Banken zusätzliche Refinanzierungsgeschäfte sowie Möglichkeiten zum Leihen von Fremdwährungen angeboten.

Auslöser für den Absturz im August war unter anderem ein Streit mit den USA wegen der Inhaftierung eines US-Pastors in der Türkei. Die USA hatten Sanktionen und Strafzölle gegen die Türkei verhängt. Staatspräsident Erdogan hat nach einigen besonders scharfen Attacken gegen die USA - die zu weiteren Kurseinbrüchen führten - seine Rhetorik etwas entschärft. Er spricht aber weiter von einem „Wirtschaftskrieg“ gegen die Türkei. Am Wochenende verglich er bei einer Rede in Kirgistan die USA mit „wilden Wölfen“ und schlug am Montag erneut vor, den Dollar bei Handelsgeschäften zukünftig zu umgehen. Langfristig machen der Türkei hohe Außenhandelsdefizite und Auslandsschulden sowie steigende Zinsen in den USA zu schaffen.

Tatha Ghose, Experte bei der Commerzbank, warnte vor einer weiteren Beschleunigung der Teuerung. Die Verschärfung der Lira-Krise im August spiegele sich im jüngsten Inflationsanstieg noch gar nicht wider, meinte Ghose. Sie sei lediglich „eine Altlast der vergangenen Lira-Abwertung“. Bis Ende des Jahres rechnet er mit einer Inflation zwischen 25 und 30 Prozent.

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