Heilbronn / HANS GEORG FRANK  Uhr
Als "großer Geheimniskrämer" geistert er durch die Gazetten, dabei ist das Wirken von Dieter Schwarz in seiner Heimatstadt Heilbronn unübersehbar. Am morgigen Mittwoch wird der Lidl-Gründer 75 Jahre alt.

Auf "eine Mauer des Schweigens" sei sie in Heilbronn gestoßen, klagte eine Journalistin der Deutschen Presse-Agentur, die sich vor Ort über Dieter Schwarz informieren wollte. Aber der Ehrenbürger, Kaufmann und Milliardär macht sich nichts aus medialer Publicity, Homestorys sind mit ihm unvorstellbar, selbst Interviews lehnt er ab - auch zu seinem 75. Geburtstag, den er morgen feiern kann, wie üblich ohne Aufsehen, eher so, dass niemand etwas bemerkt.

Der ebenso gewiefte wie generöse Geschäftsmann hat mit Kaufland (in dem die Handelshof-Filialen aufgingen) und Lidl seit 1968 ein Krämer-Imperium der Spitzenklasse aufgebaut. Die Schwarz-Gruppe mit Sitz in Neckarsulm hat 2013 bei einem Zuwachs von 6,6 Prozent 74 Mrd. EUR umgesetzt, in ganz Europa stehen 335.000 Namen auf den Lohnlisten. Im globalen Ranking hat sich das Konglomerat aus vielen Firmen auf Platz 6 vorgearbeitet. Der Gigant hat Metro überholt, liefert sich mit Aldi ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Für Gewinne gilt bei Schwarz eine Schweigepflicht. Gruppenchef Klaus Gehrig deutete nur an, "das Ergebnis ist sehr gut, es ist mit dem Umsatz gewachsen".

Auf Tabellen der reichsten Erdbewohner hat Dieter Schwarz ein Dauer-Abo, doch niemand in Heilbronn glaubt, dass es ihm schmeicheln könnte, wenn ihm das US-Magazin "Forbes" ein Vermögen von 15 Mrd. EUR unterstellt. Damit hätte Schwarz binnen Jahresfrist 2 Mrd EUR mehr angesammelt. Schwarz zog sich zwar 1999 aus dem operativen Geschäft seines Konzerns zurück, aber nach allgemeiner Einschätzung dürfte er die wichtigsten Fäden in der Hand behalten. Für seine Stiftung fand er mit Ex-Landrat Klaus Czernuska und Ex-OB Erhard Klotz kompetente Hüter seines Schatzes. Gern verkünden sie im Sinn des Geldgebers: "Bildung ist unser wichtigster Rohstoff."

Seinen Reichtum stellt der Jubilar nicht zur Schau. Protz ist ihm wesensfremd. Er leistet sich keine Yacht, spielt nicht einmal Golf, ein Haus am Chiemsee muss, neben seinem Eigenheim in Heilbronns bester Lage, als Luxus genügen. Dieter Schwarz kümmert sich viel lieber um die Bildung, um die Förderung vom Kleinkind bis zu den Erwachsenen, von Einheimischen und Migranten. Mit seiner Stiftung hat er seiner Heimatstadt zu einem viel beachteten Campus verholfen. Er spendiert mehrstellige Millionenbeträge für zeitgemäße Gebäude samt optimaler Ausstattung. Er übernimmt das populäre Science Center "Experimenta" und gibt für wohl 50 Mio. EUR eine Erweiterung in Auftrag, die so auch in Berlin, London, New York stehen könnte. Die "Leistungsfähigkeit der Bürger" wolle er stärken, hat er der Lokalzeitung einmal verraten, auch wolle er die "Elitebildung fördern". Das ist für Schwarz "das Sozialste, was ich tun kann".

Dazu zählt die Erweiterung des staatlichen und privaten Hochschulbereichs, die Heilbronn als Studentenstadt enorm aufwertet. Reist ein Ministerpräsident zu einer feierlichen Einweihung eines Neubaus an, lässt sich der "big spender" nicht in der ersten Reihe feiern. Dieter Schwarz will unerkannt bleiben, sofern er an dem Festakt überhaupt teilnimmt. Er freut sich lieber im Stillen. Es gleicht daher einem Wunder, dass auf dem Schild für seine Stiftung sein Name weithin sichtbar steht, gut zu lesen auch für auswärtige Reporter. Diese könnten den Wohltäter auch auf dem Wochenmarkt vor dem Rathaus finden, bei Konzerten auf dem Gaffenberg oder in einer Kirche. Mitunter streift der reichste Heilbronner über den Hof einer Lidl-Filiale - auf halbem Weg zwischen Wohnhaus und Firmenzentrale - und sammelt Pfandflaschen vom Parkplatz auf. Den Erlös spendet er den "Deutschen Tafeln"

Großes Aufsehen hat der sonst verschlossene Heilbronner erregt, als er sich in den OB-Wahlkampf eingeschaltet hat. Dieter Schwarz hatte sich mit seinem allerersten politischen Statement stark gemacht für den SPD-Kandidaten Harry Mergel. In der digitalen Unterstützerliste fehlte, erwartungsgemäß, ein Schwarz-Porträt, aber dafür empfahl auch seine Ehefrau Franziska - verheiratet seit 1963, Mutter seiner beiden Töchter - denselben Bewerber. Mit dem Ehepaar gebe es "eine langjährige tiefe Verbindung", erklärte Mergel. Gemeinsam wollten sie Heilbronn "noch attraktiver und menschlicher machen".