Kommentar Renaissance der Mitarbeiterwohnung: Leben vor dem Werkstor

Dieter Keller.
Dieter Keller. © Foto: Südwest Presse
Dieter Keller / Dieter Keller 09.08.2018
Mitarbeiterwohnungen erleben eine Renaissance. Das ist nur konsequent angesichts von Fachkräfte- und Wohnungsmangel.

Werkswohnungen waren mal ein Stück Industriekultur. Bis heute prägen sie etwa das Ruhrgebiet. Die Zeiten, in denen sie auch optisch einen eigenen Stil hatten, sind lange vorbei. Häufig gehören sie nicht mehr Unternehmen, die dort ihre Mitarbeiter günstig wohnen lassen, und zeitweise waren sie völlig out. Doch jetzt erleben sie ein Stück weit eine Renaissance.

Im Zeitalter des Wohnungs- und Fachkräftemangels ist das nur konsequent. Zumindest in manchen Regionen, wo es neue Mitarbeiter schwer haben, überhaupt eine Wohnung zu finden und wenn zu bezahlbaren Preisen. Fachleute sind heftig umworben. Da kann eine Mitarbeiterwohnung ein wichtiger Faktor sein. Hinzu kommt, dass gerade größere Unternehmen oft über Reserveflächen verfügen, die sie für den Bau nutzen können. Wobei heutzutage die Begeisterung, direkt vor dem Werkstor zu wohnen, nicht mehr so groß sein dürfte.

Typisch deutsch ist, dass promt interessierte Verbände wie Wohnungswirtschaft und Mieterbund Steuervorteile fordern, etwa einen speziellen Freibetrag für Mitarbeiterwohnungen. Das hieße allerdings, dass diejenigen diesen Vorteil finanzieren müssen, die nichts davon haben. Nein, in München oder Stuttgart ist es schon Privileg genug, überhaupt eine Wohnung zu marktüblichen Preisen zu bekommen.

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