Afrika Landwirtschaft in Afrika: Viel Potenzial, viele Hürden

Handel auf dem nigerianischen Getreidemarkt Dawanau nahe der Stadt Kano: Er ist der größte seiner Art in Westafrika.
Handel auf dem nigerianischen Getreidemarkt Dawanau nahe der Stadt Kano: Er ist der größte seiner Art in Westafrika. © Foto: afp
Durban / dpa 04.05.2017

Wüsten und Savannen – dieses Bild von Afrika haben viele im Kopf. Doch tatsächlich verfügt der Kontinent über riesige Mengen fruchtbarer Felder. „Viele Länder südlich der Sahara sind potenzielle Kornkammern“, stellt die UN-Welternährungsorganisation FAO fest. Eigentlich. Denn allzu oft liegen die Flächen brach. Und Afrika muss viele Nahrungsmittel einführen: 2010 lagen die Importe der Subsahara-Staaten bei 70 Mrd. US-Dollar (64 Mrd. €), die Exporte hingegen bei 30 Mrd. Dollar.

Rund 80 Prozent der Lebensmittel in Afrika müssen importiert werden. Wie die Landwirtschaft auf dem Kontinent angekurbelt werden kann, ist auch ein Thema beim derzeitigen Weltwirtschaftsforum Afrika im südafrikanischen Durban. Das Thema drängt: Denn laut FAO gehören auch Grundnahrungsmittel wie Mais, Weizen, Reis, Soja und Milch zu den Importgütern.

Ein großer Anteil kommt aus der Europäischen Union, wo hohe Subventionen dazu beitragen, dass Landwirte hierzulande zu Preisen  produzieren, die nicht mal die Kosten decken würden. Insgesamt verkauft die EU für 18,3 Mrd. € im Jahr Lebensmittel nach Afrika, etwa Getreide, Milchpulver und Pflanzenöle. „Die afrikanischen Regierungen müssen ihre heimischen Industrien vor ausländischen Dumpingpreisen schützen“, sagt der Agrarwissenschaftler Nick Kotze aus Südafrika.

Doch das ist leichter gesagt als getan. So kritisiert die UN-Organisation FAO „unfaire Handelspraktiken“ von Afrikas Partnern – darunter der EU. Zwar erlaubt die EU den afrikanischen Staaten im Rahmen eines Wirtschafts- und Partnerschaftsabkommens (genannt EPA) zoll- und quotenfreien Marktzugang. Im Gegenzug müssen die Afrikaner aber den Großteil ihrer Märkte öffnen, Gebühren und Zölle abbauen.

„Die afrikanischen Länder können mit einer Wirtschaft wie der deutschen nicht konkurrieren“, sagt Andrew Mold, UN-Wirtschaftsexperte für Ostafrika. „Das führt dazu, dass durch den Freihandel und die EU-Importe bestehende Industrien gefährdet werden und zukünftige Industrien gar nicht erst entstehen, weil sie dem Wettbewerb mit der EU ausgesetzt sind.“

Experten kritisieren zudem, dass hohe EU-Importzölle auf verarbeitete Lebensmittel die afrikanischen Landwirte zwingen würden, ihre Produkte unverarbeitet und damit deutlich billiger zu verschiffen. So sind unverarbeitete Produkte wie Kaffee oder Kakao von Gebühren ausgenommen. Auf geröstete Kaffeebohnen werden aber 7,5 Prozent Importzoll erhoben, auf Kakaopulver 7,7 Prozent. Das habe etwa dazu geführt, dass Deutschland 2014 mit dem Re-Export gerösteter Kaffeebohnen mehr als 1,5 Mal so viel eingenommen habe wie der Großproduzent Afrika mit der Ausfuhr von Kaffee.

Doch die Handelsverträge sind bei weitem nicht die einzige Hürde. Oft genug scheitert die Entwicklung der Landwirtschaft an schlampiger Politik, mangelnder Infrastruktur und geringer Produktivität. Zwar ist mehr als die Hälfte der arbeitenden Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig, doch macht der Anteil der Branche am gesamtafrikanischen Bruttoinlandsprodukt derzeit nur 15 Prozent aus.

Doch manche Länder auf dem Kontinent wollen inzwischen umsteuern. So macht die Landwirtschaft beispielsweise in Uganda bereits 85 Prozent des Exports aus, das Nachbarland Ruanda hat seine Nahrungsmittelproduktion zwischen 2007 und 2014 verdoppelt. Eines der ambitioniertesten Projekte kommt aus Nigeria. Der größte Ölproduzent des Kontinents möchte innerhalb von nur fünf Jahren zum größten Reisexporteur der Welt werden.

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