Im Januar ist an der Gewerblichen Schule Göppingen im Beisein von Baden-Württembergs Wirtschaftsminister Nils Schmid (SPD) die erste "Lernfabrik 4.0" eingeweiht worden. Dort, so die vom Familienunternehmen Festo und vom Landkreis Göppingen unterstützte Idee, sollen Auszubildende im Bereich Mechatronik in einem High-Tech-Labor mit den Komponenten einer realen Produktionsanlage lernen, wie die Fabrik der Zukunft funktioniert.

Das Beispiel macht Schule. Insgesamt acht "Lernfabriken 4.0" an je zwei Berufsschulen pro Regierungsbezirk will die Landesregierung nun fördern. Dafür macht Grün-Rot in diesem und nächsten Jahr insgesamt 4 Mio. EUR locker - eine halbe Mio. EUR pro Standort. Das sieht ein noch unveröffentlichtes Konzept von Wirtschaftsminister Schmid vor, das der SÜDWEST PRESSE vorliegt. Es soll heute mit dem Nachtrag für den Doppelhaushalt 2015/16 vom Kabinett verabschiedet werden. Die Zustimmung gilt als sicher. Ziel der Initiative sei die Qualifizierung künftiger Facharbeiter für Industrie 4.0-Systeme "in möglichst praxisnahen Lernumgebungen", heißt es in dem Konzeptpapier.

Unter dem Stichwort "Industrie 4.0" wird die totale Vernetzung aller Produktions-, Montage-, Liefer- und Serviceprozesse verstanden. Baden-Württemberg, glaubt Schmid, sei durch seine Stärken sowohl bei Maschinen und Automatisierungstechnik wie auch bei den Ausrüstern von industriellen Informations- und Kommunikationssystemen prädestiniert, auf diesem Zukunftsfeld "Leitanbieter" zu werden. Auf den Wandel der Arbeitswelt müssten die Beschäftigten und die kommenden Facharbeiter aber vorbereitet werden.

Mit den "Lernfabriken" wollen das Land und die Wirtschaft insbesondere Auszubildende in dualen Ausbildungsgängen wie Mechatronik, Industrie- oder Elektrotechnik, aber auch Fachschüler und Schüler von Technischen Gymnasien erreichen.