Strategiepapier Künstliche Intelligenz: Land will sich als Standort profilieren

Künstliche Intelligenz kann Probleme eigenständig erfassen und lösen.
Künstliche Intelligenz kann Probleme eigenständig erfassen und lösen. © Foto: Phonlamai Photo/Shutterstock.com
Stuttgart / Roland Muschel 24.08.2018

Baden-Württembergs Wirtschaftsministerin Nicole Hoffmeister-Kraut (CDU) will den Südwesten als Standort für den Wachstumsmarkt Künstliche Intelligenz (KI) attraktiver machen. „Die Dynamik ist atemberaubend. Baden-Württemberg muss Anwender, vor allem aber auch Produzent von Künstlicher Intelligenz werden“, sagte die Ministerin der SÜDWEST PRESSE. Das Land müsse jetzt „mutig handeln“, um als KI-Standort auch international für Investoren und Talente attraktiver zu werden.

Künstliche Intelligenz ist ein Sammelbegriff für Computersysteme, die in der Lage sind, Probleme eigenständig – daher das Wort „intelligent“ – zu erfassen und zu lösen. Beispiele sind autonom fahrende Autos, Sprachassistenten, lernfähige Maschinen, aber auch Kauf-Vorschläge im Online-Shop.

„Wir sprechen hier von einer branchenübergreifenden, wegweisenden Technologie, die für kleine Unternehmen und den Mittelstand genauso wichtig ist wie für unsere Global Player“, sagt Hoffmeister-Kraut. Zugleich verweist sie auf die enormen Potenziale.

 Zwar stehe die Marktentwicklung noch am Anfang. Doch die Wachstumsrate des weltweiten Marktvolumens werde für die nächsten Jahren auf im Durchschnitt mehr als 40 Prozent pro Jahr prognostiziert. Aber nur 3 Prozent der weltweiten KI-Unternehmen hätten ihren Sitz in Deutschland.

Für Baden-Württemberg bläst die Politikerin daher zur Aufholjagd: „Wir müssen bei der Schlüssel- und Querschnitttechnologie massiv Tempo aufnehmen, um im harten globalen Innovationswettbewerb an der Spitze mit dabei zu sein.“ Bei Forschung und Entwicklung sei der Südwesten, etwa mit der Technologieregion Karlsruhe und dem von Tübingen bis Stuttgart reichenden „Cyber Valley“, zwar sehr gut aufgestellt. Aber der Transfer der Forschungsergebnisse in die Wirtschaft müsse noch schneller und besser gelingen. „Wir müssen die Kommerzialisierung von KI massiv vorantreiben.“

Dabei soll das Land den Unternehmen helfen – und kräftig Geld in die Hand nehmen. Summen nennt die Ministerin nicht, kündigt aber an, sich in den künftigen Haushaltsverhandlungen für die Bereitstellung notwendiger Mittel einzusetzen. Wofür die Gelder gedacht sind, geht aus einem noch unveröffentlichten Eckpunkte-Papier zur „Wirtschaftsstrategie Künstliche Intelligenz“ hervor. Darin schlägt Hoffmeister-Kraut sechs Maßnahmen vor:

Innovationspark Dem Wirtschaftsministerium schwebt die Schaffung eines großen „Innovationsparks KI“ vor, der Forschungseinrichtungen, baden-württembergische, internationale Unternehmen und Start-Ups zusammenbringt. Der Innovationspark soll „Testfeld für die Praxistauglichkeit von KI-Anwendungen“ und „Wertschöpfungszentrum für KI mit internationaler Strahlkraft“ sein.

Wirtschaftsnahe Forschung Baden-Württemberg müsse bei der wirtschaftsnahen Forschung „eine Führungsrolle“ einnehmen, heißt es in dem Papier. Hoffmeister-Kraut schlägt daher die Gründung eines neuen „KI-Zentrum für angewandte Forschung“ vor, um die Kooperation zwischen Wirtschaft, Forschung und Wissenschaft zu stärken.

Think Tank Die Ministerin will gemeinsam mit dem Technologiebeauftragten des Landes einen „Think Tank“ mit KI-Experten einberufen, der zusätzliche Impulse liefern soll.

Aktionsprogramm Mittelstand Mit Verbundprojekten und anderen Maßnahmen soll der Transfer zwischen Forschungseinrichtungen und dem Mittelstand gefördert werden.

Talentförderung Mit einem gezielten „Talent Scouting“ sollen ambitionierte Gründe ins Land gelockt werden. Für Aus- und Weiterbildung ist der Aufbau von KI-Lernlaboren und -fabriken  vorgesehen.

Internationale Zusammenarbeit Generell soll die internationale Zusammenarbeit gestärkt werden. Speziell will das Land am deutsch-französischen KI-Zentrum partizipieren, dem Prestigeprojekt von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Das Thema treibt auch Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) um, die kommende Woche zu Gesprächen nach Paris reist.

100

Milliarden Dollar könnte das weltweite Marktvolumen bei Künstlicher Intelligenz im Jahr 2025 betragen. Derzeit wird es von Experten auf fünf Milliarden Dollar geschätzt.

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