Der Humor von Textil-Herstellern hält sich meist in engen Grenzen. Aber manchmal blitzt etwas Schalk durch, wenn etwa auf Wäsche-Etiketten steht: "Was die Wasch-Symbole bedeuten, weiß deine Mutter." Künftig ist zur richtigen Textil-Pflege aber kein Elternteil mehr nötig. Denn ein kleines Programm fürs Handy entschlüsselt die Grafiken: Foto des Etiketts mit dem iPhone schießen - und die angezeigte Pflegeanleitung wird angezeigt, wirbt Siemens.

Vor Beginn der Technik-Messe Ifa (31.8.-5.9.) stellten gestern Hausgeräte-Hersteller ihre Neuigkeiten und Visionen vor. Siemens hat dabei zum Teil regelrecht futuristische Vorstellungen, wie Marketingleiterin Sonja Ehmer berichtet. Da weiß der Kühlschrank, was so alles in ihm schlummert und bringt entsprechende Rezeptvorschläge auf den Tablet-PC. Die Wasserhärte für Waschmaschinen wird per Satellitenortung (GPS) fest- und anschließend eingestellt. Der in die Küchenarbeitsplatte eingelassener Bildschirm stellt die Speisen der Woche dar. Und von unterwegs lässt sich abfragen, ob der Geschirrspüler denn noch genug Maschinensalz zur Reinigung enthält.

Wer wissen will, ob die Kinder das Lieblingsjogurt weggegessen haben, kann sich beim Einkaufen sogar ein aktuelles Foto des Kühlschrankinneren aufs Handy schicken lassen, sagt Ehmer.

Etwas wichtiger scheinen da die Energiespar-Bemühungen der Hersteller zu sein. Bosch präsentierte etwa einen Kühlschrank, der mit 140 Kilowattstunden pro Jahr weniger Strom verbraucht als eine 18-Watt-Energiesparlampe mit jährlichen 156 Kilowatt. Siemens bringt einen Wäschetrockner, der den Kondensator selbst reinigt und so die gute Energieeffizienz auch längerfristig sichern soll. Miele setzt dem Münchner Konkurrenten ein Gerät entgegen, das trotz höchster Energiesparklasse A+++ weniger als zwei Stunden für das Trocknen der Wäsche benötigt.

Bauknecht spart beim Erhitzen des Wassers: Eine Waschmaschine beseitigt Schmutz bereits bei 15 Grad und soll bei gleicher Waschleistung 70 Prozent Energie gegenüber einem Programm mit 40 Grad und normalen Waschmittel sparen, verspricht der Hersteller. Miele denkt noch umweltfreundlicher und will im kommenden Jahr eine Spülmaschine und einen Trockner verkaufen, die an die heimische Solaranlage angeschlossen sind und bis zu 90 Energie sparen.

Bei all den Sparmaßnahmen ist es aber laut Roland Hagenbucher auch wichtig, dass "Grün sexy" ist. "Hausgeräte haben nichts mehr mit den Haushaltshelfern von einst zu tun", sagte der Siemens-Hausgerätechef. "Hausgeräte sind heute Prestigeobjekte und fast schon Objekte der Begierde, die mit gewissem Stolz Nachbarn und Freunden gezeigt werden." Wie der Fernseher und die Hifi-Anlage seien sie Ausdruck der Persönlichkeit. Deshalb legt Siemens auch Wert auf Design. Selbst ein Handrührer soll heute in Schwarz besonders gut aussehen. Und die Kaffeemaschine gibt es auch in dekorativem "Hochsilber". Eine Spülmaschine liefert nicht nur aktuelle Daten zum Reinigungsvorgang, sondern projiziert diese auch noch - wie ein Beamer - auf den Küchenfußboden. Miele untersucht derzeit sogar, ob künftig überhaupt noch Knöpfe und Displays an Hausgeräten nötig sind oder ob die Nutzer nicht alles mit ihrem Handy steuern und überwachen wollen.

Bis es soweit ist, sollen Verbesserungen Kaufargumente liefern. So hat Miele festgestellt, dass die 2 Mrd. EUR für Weichspüler in Deutschland jährlich vor allem wegen des guten Geruchs ausgegeben werden. Ein Wäschetrockner hat deshalb künftig einen Flakon in der Türe, der die Düfte Cocoon, Aqua und Nature in die Wäsche bläst - ganz ohne Weichspüler.

Mehrere Hersteller setzen auf ein Vollflächen-Induktionsfeld, bei dem es egal ist, wo welcher Topf steht: Mikroinduktoren stellen fest, wo gerade etwas erhitzt werden soll. Und auch Sauberkeit ist wichtig. Eine Waschmaschine von Haier Deutschland kommt mit antibakterieller Tür-Manschette und Waschmittelschublade daher.