Hannover KOMMENTAR: Veränderungen aushalten

Hannover / CAROLINE STRANG 09.04.2014

Nach fast zwei Stunden Rundgang auf der Hannover Messe stand Kanzlerin Angela Merkel müde vor dem wuchtigen Metallteil mit dem sperrigen Namen Gleichstromleistungsschalter. Diese Entwicklung von ABB aus Mannheim soll es ermöglichen, die modernen HGÜ-Stromautobahnen zu verbinden und den Stromfluss effizienter zu steuern. Etwas launig reagierte Merkel auf die Vision von einem umfassenden Netz: "Na, dann müssen wir wohl mal anfangen zu bauen", sagte sie.

Da kann man ihr nicht widersprechen. Die Stromtrassen werden dringend benötigt. Denn was nutzt die Technik, wenn die Voraussetzungen für ihren Einsatz nicht vorhanden sind. Der Ausbau der Stromlinien lahmt. Nicht zuletzt, weil sich Bürgerinitiativen gegen die Trassen wehren. Wer aber für eine gelingende Energiewende ist, die nicht weiter explodierende Strompreise mit sich bringt, der muss auch Veränderungen vor der eigenen Haustüre aushalten.

Die Politik indes muss mehr Entschlossenheit zeigen und den Bürgern den Weg weisen. Merkel scheitert regelmäßig daran, Visionen und Emotionen zu vermitteln, auch beim Thema Energie. Das ist schade. Denn dann verlieren sich Stromautobahnen und technischer Fortschritt im Kleinklein der besorgten Anwohner.

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