NIKO FRANK  Uhr

Schon wieder ein Jahr mit Mini-Teuerung. Zu D-Mark-Zeiten wäre ein Anstieg der Verbraucherpreise von weniger als 1 Prozent der ganze Stolz der Bundesbürger gewesen. Dies sollte eigentlich für die Euroskeptiker hierzulande Grund genug sein, ihre Ressentiments gegenüber der europäischen Gemeinschaftswährung aufzugeben. Denn sie tragen in ihren Portemonnaies Geldscheine und Münzen durchs Land, die sich einer unbestreitbar größeren Währungsstabilität erfreuen als sie die D-Mark zu bieten hatte.

Noch wichtiger ist allerdings, dass auch die Hüter des Euro in der Europäischen Zentralbank (EZB) endlich den Umstand angemessen würdigen, dass sie für eine ausgesprochen preisstabile Währung verantwortlich sind. Dies gilt insbesondere für den EZB-Präsidenten Mario Draghi, der Deflationsrisiken fürs Euroland sieht. Doch davon kann nicht einmal in den Krisenländern die Rede sein. Dort sinken die Preise zwar. Aber es gibt keine Abwärtsspirale. Das rückläufige Preisniveau ist auch dort der anhaltenden Talfahrt der Mineralölpreise geschuldet. Und es spiegelt die anhaltende Wachstumsschwäche in diesen Ländern wieder. Dagegen ist bei einem Leitzins von fast null Prozent auch mit einer noch so unkonventionellen Geldpolitik nichts mehr auszurichten.