KOMMENTAR: Schieflage verschärft

NIKO FRANK 10.10.2012

Sand in die Augen der Bürger gestreut - zu mehr war die Mär von der Energiewende, die kaum etwas kosten würde, ohnehin noch nie gut. Jetzt hat sie Peter Altmaier kassiert und die Suppe ausgelöffelt, die Kanzlerin Angela Merkel dem Umweltminister vor gut einem Jahr einbrockte. Wer eins und eins zusammenzählen kann, musste schon immer wissen, dass es eine milliardenteure Energiewende niemals ohne deutliche Strompreissteigerungen geben kann. Vor diesem Hintergrund liegt der Bundesumweltminister natürlich richtig, wenn er dem Energiesparen höchste Bedeutung beimisst, um die Explosion der Stromrechnung so gut es eben geht einzudämmen.

Es ist dennoch eine Illusion zu glauben, damit sei die schwarz-gelbe Bundesregierung die Probleme los, die sie den Bundesbürgern mit dem ökologischen Umbau der Stromwirtschaft bescherte. Auch mit seiner kostenfreien Energieberatung kann Altmaier eines der zentralen Probleme der Energiewende nicht aus der Welt schaffen: Sie verschärft die soziale Schieflage. Strom sparen kann nur derjenige, der sich die sehr teuren hochenergieffizienten Geräte auch leisten kann. Das ist keineswegs die große Mehrheit im Land. Steigende Strompreise beschneiden zumindest ihr Budget, für viele bedeuten sie eine relative Verarmung.

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