Stuttgart Kommentar: Partner wird Konkurrent

Stuttgart / KAREN EMLER 16.09.2014

Bosch verfolgt seit Jahren die Strategie, sich von seiner Rolle als Autozulieferer unabhängiger zu machen. Ist die vollständige Übernahme des Gemeinschaftsunternehmens ZF Lenksysteme vor diesem Hintergrund folglich ein Widerspruch? Nein, ist es nicht. Angesichts der Tatsache, dass ZF Friedrichshafen seine Anteile los werden wollte beziehungsweise mit Blick auf das Kartellamt musste, blieb den Stuttgartern keine Wahl. Die Alternative wäre gewesen, sich womöglich auf einen neuen Partner einstellen zu müssen, der weniger gut zur Bosch-Kultur passen würde als das Traditionsunternehmen vom Bodensee.

ZF Lenksysteme ganz abwandern zu lassen, hätte zwar die Kassen gefüllt. Dafür müssten die Stuttgarter aber auf das Knowhow von der Ostalb verzichten. Das ist enorm, vor allem auch was die zukunftsträchtige Themen Elektrolenkung sowie autonomes Fahren angeht.

Hinter den Kulissen heißt es, die Trennung sei recht ruppig verlaufen. Dafür spricht einiges: Bosch mag kräftig gepokert haben, weil ZF wohl das Geld für die Übernahme des US-Unternehmen TRW Automotive dringend braucht. Die Friedrichshafener steigen nun zu den Top 3 der Welt auf. Aus dem Partner wird für Bosch ein harter Konkurrent. Der Kampf der beiden hat bereits begonnen.