KOMMENTAR: Geduld mit Finanzamt

DIETER KELLER 09.10.2012

War es ein Zyniker oder ein Witzbold, der sich den Namen für die zentrale Seite der Finanzämter im Internet ausdachte? "elster.de" klingt ziemlich mutig, auch wenn es nur die Abkürzung für "Elektronische Steuererklärung" ist. Hier gibt es jetzt Zuwachs: Am 1. Januar 2013 soll "Elstam" starten, die "elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale", wie der Ersatz der Lohnsteuerkarte aus Karton im Beamtendeutsch heißt.

Wer die große Datensammelwut befürchtet, kann beruhigt sein: Da werden nur Steuerklasse, Kinderzahl und Religionszugehörigkeit erfasst sowie Freibeträge, die das Finanzamt gewährt hat. Trotzdem teilte Elstam das Schicksal vieler EDV-Projekte: Die Umstellung ist viel komplizierter und langwieriger als gedacht. So einfach auf Knopfdruck läuft eben nichts. Vor einem Jahr musste die Einführung wegen zu vieler Fehler verschoben werden.

Auch jetzt kann Arbeitnehmern nur geraten werden, nicht gleich heute auszuprobieren, ob das System funktioniert. Die Abfrage im Internet zumindest läuft noch nicht. Und auch mit dem Besuch des Finanzamts, um Freibeträge für 2013 eintragen zu lassen, sollten sie sich etwas Zeit lassen: Die Dienstanweisungen für Elstam sind ebenso neu wie kompliziert. Das Verfahren muss sich erst noch einspielen, und das braucht Zeit.