KOMMENTAR: Frankreich fehlt es noch an Fitness

HELMUT SCHNEIDER 08.11.2012

Ein Wort macht die Runde, seitdem die Regierung in Paris das von ihr bestellte Gutachten zur Wettbewerbsfähigkeit der französischen Wirtschaft in den Händen hält: "Schocktherapie". Denn die darin empfohlene Entlastung der Unternehmen von Lohnnebenkosten passt so gar nicht in das Weltbild der Sozialisten und ihres Präsidenten Hollande. Seit einem halben Jahr ist er jetzt im Amt und längst schon auf dem harten Boden der Wirklichkeit gelandet.

Die französische Wirklichkeit krankt vor allem daran, dass der Wirtschaft das Fitnessprogramm erst noch bevorsteht, welches Nachbar Deutschland schon hinter sich hat. Der Niedergang der französischen Autoindustrie verdeutlicht vielleicht am besten, dass Frankreich im Ausland an Wettbewerbsfähigkeit verloren hat. Wer dies ändern will, kommt nicht darum herum, die Kosten der französischen Unternehmen zu senken.

Zu Frankreichs Selbstverständnis zählt traditionell die Abgrenzung zu Deutschland und seinem Wirtschaftsmodell. Dagegen ist nichts einzuwenden, so lange das eigene Modell erfolgreich ist. Davon ist Paris aber weiter entfernt denn je. Das Haushaltsdefizit ist dabei nur eines von mehreren Krisensymptomen. Die Arbeitslosigkeit ist so hoch wie seit 13 Jahren nicht mehr.

Die stärkste Bedrohung zielt jedoch auf den Euro-Verbund und damit auf Deutschland. Ohne ein stabiles Frankreich gibt es auch keinen stabilen Euro.