KOMMENTAR: Befristeter Job als Normalfall

DIETER KELLER 25.05.2012

Alle reden vom Facharbeitermangel. Aber ausgerechnet bei den jungen Arbeitnehmern ist er bisher noch nicht angekommen. Dabei sollten sie eigentlich als erste spüren, dass der Nachwuchs mehr umgarnt wird - sei es durch steigende Einkommen oder durch bessere Arbeitsbedingungen. Zuzunehmen scheint nur der Stress, ergab zumindest eine Umfrage im Auftrag des DGB. Offensichtlich dauert es, bis sich die Probleme beim Gewinnen von Nachwuchs positiv bei ihnen auswirken. Dabei wird nicht nur bei technischen Berufen über Nachwuchsmantel geklagt, sondern auch bei Bäckern oder Metzgern.

Deutlich zeigt die Studie, wie sehr unsichere Beschäftigungsverhältnisse zum Normalfall geworden sind: Jeder fünfte unter 35 Jahren hat nur einen befristeten Job. Ausgerechnet in der öffentlichen Verwaltung sind es sogar doppelt so viele. Gerade sie kann schwerlich damit argumentieren, dass sie angesichts von Konjunkturrisiken flexibel bleiben müsse. Da spielen wohl eher die allgemein knappen Finanzmittel in Zeiten der Schuldenbremse eine Rolle. Trotzdem ist es schlecht für eine Gesellschaft, wenn samt Minijobbern und Leiharbeit jeder dritte Junge eine Stelle ohne Planungssicherheit hat. Das macht die betroffenen Berufe sicherlich nicht attraktiver.