Vor knapp sieben Jahren hat Claus-Dietrich Lahrs bei Hugo Boss das Ruder übernommen. Er kam von der französischen Luxusmarke LVMH und musste sich ungezählte Male die journalistische Standardfrage anhören, wie sich das so anfühle - von Paris, der Weltmetropole der Mode, nach Metzingen am Fuße der Schwäbischen Alb zu wechseln.

Der Hauch von Skepsis, dass der solide Weltmarktführer bei gehobener Herrenbekleidung den richtigen Boss verpflichtet hat, ist inzwischen längst verflogen. Lahrs hat ganz ohne den großen Auftritt, den man in dieser Branche als Voraussetzung vermutet, eine bemerkenswerte Erfolgsgeschichte geschrieben. Hugo Boss wächst kontinuierlich, wenn auch zuletzt mit weniger Dynamik.

Bemerkenswert ist der kostspielige, aber renditeträchtige Ausbau der eigenen Shops. Auch bei der Frauenmode kommt man voran. Jetzt peilt Lahrs den Angriff in der Champions League des Luxus an. Die Gegner hier sind Armani, Gucci oder Brioni. In dieser Klasse, in der ein Maßanzug schon mal 3000 Euro kostet, machen die Metzinger erst 15 Prozent ihres Geschäfts. Die Kunst für den Konzernchef wird es sein, Luxus und gehobene Businessklasse nebeneinander zu führen, ohne dass die Marke verwässert wird.