Kommentar Dorothee Torebko zur weiblichen Anrede auf Formularen Kommentar zur Anrede auf Formularen: Sprache als Schlüssel

 Dorothee Torebko NBR Redakteur,  Autorenfoto 2018
Dorothee Torebko NBR Redakteur, Autorenfoto 2018 © Foto: Privat
Karlsruhe / Dorothee Torebko 14.03.2018

Marlies Krämer ist eine Frau. In ihrer Bank möchte sie nicht als Mann bezeichnet werden. Sie möchte als Kundin auf Formularen unterschreiben und nicht als Kunde. Damit hat sie Recht. Dass sie laut Bundesgerichtshofurteil weiter in der männlichen Form angesprochen wird, ist diskriminierend.

Nur wenn Frauen „generell nachteilig behandelt“ würden, verstoße die Bank gegen das Gleichstellungsgesetz, begründet das Gericht. Doch Ungleichheit beginnt nicht erst in Taten, sondern bereits in Worten. „Sprache ist der Schlüssel von Gleichberechtigung“, sagt Krämer. Wer von Männern, Frauen und intersexuellen Menschen spricht, der denkt auch in verschiedenen Kategorien. Nur wer „Mann“ nicht mit „Mensch“ gleichsetzt, ist auch sensibel dafür, dass eben noch keine Gleichheit  zwischen Geschlechtern herrscht.

Viele argumentieren nun: Frau übertreibt mal wieder. Und garnieren das noch mit einem zynischen „hysterisch“. Klar ist Marlies Krämer unbequem. Zum Glück. Nur durch solche Frauen entsteht Veränderung. Wenn die Suffragetten vor über 100 Jahren nicht öffentliche Reden gestört hätten, gäbe es heute kein Wahlrecht für Frauen. Unbequem sein – das sollte jeder Mensch, der und die sich für Gleichberechtigung ausspricht. Denn es geht um 50 Prozent der Bevölkerung und nicht nur um die Buchstaben „in“.

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