Nach Fusion Kaufhof und Karstadt: Keine umfangreichen Filialschließungen

Der Zusammenschluss soll den schwächelnden Warenhausketten Karstadt und Kaufhof neuen Schwung geben. Foto: Christophe Gateau
Der Zusammenschluss soll den schwächelnden Warenhausketten Karstadt und Kaufhof neuen Schwung geben. Foto: Christophe Gateau © Foto: Christophe Gateau
Berlin/Essen / DPA 02.12.2018

Beim Zusammenschluss der Warenhäuser Kaufhof und Karstadt soll es keine umfangreichen Filialschließungen geben.

Die Filialen „sind und bleiben das Herzstück“, sagte der bisherige Karstadt-Chef und neue Chef beider Häuser, Stephan Fanderl, der „Bild am Sonntag“. „Wir leben nicht davon, Filialen zu schließen, sondern davon, sie erfolgreich zu betreiben.“

Der neue Warenhausriese wird europaweit 243 Standorte haben, rund 32 000 Mitarbeiter werden dort arbeiten. Die Fusion soll Kaufhof und Karstadt wieder wettbewerbsfähig machen. Karstadt gelang zuletzt knapp die Rückkehr in die schwarzen Zahlen. Kaufhof schreibt Verluste. Die Warenhäuser kämpfen seit Jahren mit der Konkurrenz durch Billiganbieter wie Primark, Online-Händler wie Amazon oder Zalando und große Einkaufszentren.

Dass um jedes einzelne Haus gekämpft werde, habe man schon bei Karstadt gezeigt, sagte Fanderl der Zeitung. Der bisherige Karstadt-Alleineigentümer René Benko hatte kürzlich im Gespräch mit dem „Handelsblatt“ betont, im Zuge der Karstadt-Sanierung habe es fertig ausgehandelte Sozialpläne für die Schließung von 25 Filialen gegeben, nur 3 seien am Ende tatsächlich geschlossen worden.

„Auch bei Kaufhof wird es ein harter Kampf, jede einzelne Filiale zurück in die schwarzen Zahlen zu führen“, sagte Fanderl der „Bild am Sonntag“. „Umfangreiche Schließungen wird es nicht geben.“

Die Fusion wird durch massive Querelen hinter den Kulissen überschattet. Kaufhof-Chef Roland Neuwald und einige seiner engsten Mitarbeiter werden den Warenhauskonzern nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur verlassen. Über die Erfolgsbilanz der Kaufhof-Spitze wird heftig gestritten.

Fanderl soll mit der Situation bei Galeria Kaufhof sehr unzufrieden sein. Die Verluste würden immer größer, hatte zuletzt eine Person gesagt, die die aktuellen Zahlen kennt. Im Umfeld von Kaufhof wurde dieser Darstellung widersprochen. Bei der Kritik gehe es möglicherweise auch darum, den Boden für die Verhandlungen mit der Gewerkschaft Verdi über einen Sanierungstarifvertrag vorzubereiten, wurde auf Kaufhof-Seite spekuliert. Bei Karstadt gibt es eine solche Regelung schon.

Verdi hatte nach dem offiziellen Vollzug der Fusion am Freitag eine „sofortige Einbindung“ der Betriebsräte und der Gewerkschaft gefordert.

Unter das Dach der Holding kommen nicht nur die deutschen Filialen von Kaufhof und Karstadt, sondern auch die Karstadt-Sporthäuser, die europäischen Filialen der Outlet-Kette Saks Off 5th, die Galeria-Inno-Kaufhäuser in Belgien, die erst kürzlich gegründeten Hudson's-Bay-Warenhäuser in den Niederlanden sowie eine Reihe von Internet-Anbietern. Die Mehrheit am neuen Gemeinschaftsunternehmen hält der bisherige Karstadt-Eigentümer Benko.

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