Bonn Kartoffel-Preise stark gestiegen

Die deutsche Kartoffelernte war gut. Die Nachfrage aus dem Ausland treibt aber die Preise. Foto: Fotolia
Die deutsche Kartoffelernte war gut. Die Nachfrage aus dem Ausland treibt aber die Preise. Foto: Fotolia
Bonn / VOLKER DANISCH, DPA DPA 14.05.2013
Die Kartoffelpreise in Deutschland sind zuletzt in die Höhe geschossen. Missernten in anderen Ländern sind der Grund, sagt ein Experte. Auch der lange Winter machte den Bauern zu schaffen.

Deutsche Speisekartoffeln sind nach Expertenschätzung wegen einer großen Nachfrage aus dem Ausland und dem sehr langen Winter für den Handel knapp und teuer. "Die Abgabepreise der Erzeuger sind derzeit die höchsten der vergangenen zehn Jahre", sagte Agrarexperte Christoph Hambloch von der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft AMI in Bonn.

Die durchschnittlichen Abgabepreise der Erzeuger gegenüber Packbetrieben, Zwischenhändlern und Einzelhandel hätten sich von etwa 13 bis 15 EUR je 100 Kilogramm im Herbst auf 28 bis 30 EUR je 100 Kilogramm Anfang Mai verdoppelt. Dieser kräftige Preisanstieg sei kein saisonaler Effekt, der jedes Jahr wiederkehre, sondern von Missernten in anderen europäischen Ländern verursacht. In welchem Umfang die gestiegenen Erzeugerpreise bei den deutschen Verbrauchern ankommen werden, bleibe abzuwarten.

"2012 gab es enorme Witterungsprobleme in Belgien zur Zeit der Auspflanzung mit viel Regen. Die Briten haben 2012 eine Missernte eingefahren. Die Ernte in Frankreich war auch schwach. Auf dem Balkan hatte die Kartoffelausbeute unter Hitze gelitten. Wir in Deutschland sind gut weggekommen", schilderte Hambloch.

Die Erzeugerpreise seien durch die starke Nachfrage im europäischen Ausland in die Höhe gegangen. Vor allem auf den Balkan und nach Großbritannien seien in den vergangenen Monaten größere Mengen an Speisekartoffeln geliefert worden als sonst.

Der Kartoffelmarkt in der EU sei im Unterschied zum Milchmarkt nicht staatlich reglementiert, das Kräfteverhältnis von Angebot und Nachfrage bestimmten den Preis. In der Vermarktungskette vom heimischen Kartoffelfeld bis zum Kartoffelsack am Gemüsestand im Supermarkt gebe es in der Regel mit dem Erzeuger, Erfassungshändlern, Packbetrieben und dem Einzelhändler bis zu vier Beteiligte.

Aktuell sei auch der sehr lange Winter ein Preistreiber. "In den ersten März-Tagen hatten die Landwirte in Deutschland mit dem Auspflanzen der Frühkartoffeln begonnen, das wegen Frost und Regen aber wieder eingestellt wurde. Dann ging es erst nach Ostern Anfang April bis zu vier Wochen verspätet richtig los", sagte der Experte. Deshalb seien in der ersten Juni-Hälfte wenig Frühkartoffeln aus deutschem Anbau zu erwarten.

In den vergangenen Tagen hatten die Ermittlungen des Bundeskartellamtes zu möglichen Preisabsprachen bei Kartoffeln großes Aufsehen ausgelöst. "Uns erreichen derzeit eine Vielzahl von vermeintlichen Hinweisen", sagte Kartellamts-Präsident Andreas Mundt gestern in Bonn. Die Ermittlungen der Bonner Wettbewerbshüter stünden allerdings noch ganz am Anfang. Zahlen zu den möglichen Kartellgewinnen und zur Schadenshöhe seien derzeit reine Spekulation.