München/Hamburg Kapsel und Pad statt Kaffeefilter

Deutsche Kaffeetrinker können in Maschinen der Marke "Nespresso" weiterhin auch Kapseln anderer Firmen verwenden, entschied das Landgericht. Foto: dpa
Deutsche Kaffeetrinker können in Maschinen der Marke "Nespresso" weiterhin auch Kapseln anderer Firmen verwenden, entschied das Landgericht. Foto: dpa
München/Hamburg / DANIELA WIEGMANN, DPA 18.08.2012
Filterkaffee war gestern. Jetzt soll es eher Cappuccino, Espresso oder Latte Macchiato sein. Die alte Filtermaschine verschwindet aus der Küche. Kaffeeautomaten für Kapseln und Pads nehmen ihren Platz ein.

Die Filterkaffeemaschine hat in zahlreichen Haushalten in Deutschland ausgedient. Statt Bohnenkaffee von der Warmhalteplatte trinken viele Menschen auch in der eigenen Küche lieber einen Cappuccino, Espresso oder Macchiato. "Es soll schnell gehen und auf Knopfdruck", sagt Britta Zietemann vom Deutschen Kaffeeverband.

Erstmals haben die Kaffeeautomaten im vergangenen Jahr die klassische Filtermaschine in Deutschland überholt. Ein Ende dieses Trends ist nicht in Sicht. Die Hersteller von Kaffeeautomaten und Kapsel-Kaffee jubeln über zweistellige Zuwachsraten und investieren Millionensummen in das Geschäft: Der Schweizer Lebensmittelriese Nestlé baut ein neues Werk für Kaffeekapseln in Schwerin. Jährlich sollen dort künftig 2 Mrd. Kapseln hergestellt werden. Die Investition beläuft sich auf 220 Mio. EUR.

Obwohl der Kaffee aus der Kapsel viel Müll produziert und im Vergleich zum Filter um ein Vielfaches teurer ist, gehen die Verkaufszahlen steil nach oben. Im vergangenen Jahr legte der Absatz von Kapsel-Kaffee nach Angaben des Kaffeeverbandes in Deutschland um 30 Prozent zu, während der Filterkaffee um 1 Prozent zurückging.

An den hohen Preisen stören sich die Verbraucher nicht: Nespresso verlangt pro Kapsel fast 40 Cent und damit nach Berechnungen von Verbraucherschützern etwa 10 Mal so viel wie für eine Tasse Filterkaffee. Die anderen Hersteller sind etwas billiger: da kostet der Kaffee zwischen 29 Cent (Tassimo) und 17 Cent (Senseo) pro Tasse. Zum Vergleich: Eine Tasse Filterkaffee kostet etwa 5 Cent.

Aber auch für die Hersteller der Maschinen sind goldene Zeiten angebrochen. Der größte europäische Hausgerätehersteller Bosch und Siemens Hausgeräte (BSH) errichtete in seinem Werk im oberbayerischen Traunreut für 2,4 Mio. EUR ein "Kaffee-Kompetenzzentrum", in dem die Kaffeemaschinen von morgen entwickelt werden.

Während die Kaffeevollautomaten mit Mahlwerk in der 1000-Euro-Preisklasse nicht jedermanns Sache sind, ziehen die deutlich günstigeren Portionsmaschinen in die Küchen ein. Sie brühen den Kaffee aus Kapseln oder Pads und sind zu Preisen um die 70 EUR zu haben. Neben Tassimo mischen vor allem Nespresso, Senseo, Cafissimo (Tchibo) und Dolce Gusto kräftig auf dem Markt für Portionskaffee mit.

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